Medien machen Stimmung gegen "Queen Camilla"
Im Reich des unglücklichen Prinzen

Zum Leidwesen vieler Briten schickt sich Prinz Charles an, am Samstag seine langjährige Geliebte Camilla Parker-Bowles zu heiraten. Doch trotz eines komplizierten Verhältnisses der Briten zu ihrem Thronfolger, ist er als Unternehmer durchaus erfolgreich.

LONDON. Hinterm Kreisverkehr an der Autobahn 37 beginnt das Reich des Prinzen. „Poundbury. Phase 2. Section E“ steht auf der weißen Tafel, darunter das Wappen des Herzogs von Cornwall. Dahinter eine zerwühlte Baustelle. Vor dem Verkaufsbüro des Bauunternehmens Westbury wehen Fahnen. „50 Prozent verkauft“ steht auf dem Plakat.

Auf den ersten Blick ist es eine ganz normale Siedlungsbaustelle. Bis einem die Bauformen auffallen. Der kreisrunde Turmbau, die vielen Säulen vor den Haustüren. Und dass es in Poundbury keine Vorgärten gibt. Denn dies ist das Musterstädtchen, das sich Prinz Charles ausgedacht hat. Und Vorgärten, entschied der königliche Planer, stören das Gemeinschaftsgefühl. Poundbury, das ist die Stein gewordene Schrulligkeit eines Mannes, der sich zum Leidwesen vieler Briten anschickt, am Samstag seine langjährige Geliebte Camilla Parker-Bowles zu heiraten.

Vor einem Jahr haben Camilla und Charles Poundbury gemeinsam besucht. Denn die Modellstadt ist eines der Lieblingsprojekte des Thronfolgers. Dieses Experiment soll demonstrieren, wie man mit traditionellen Methoden Stadtplanung und Menschlichkeit verbindet: Integration von Wohnen und Arbeiten, Nebeneinander von Eigentums- und Sozialwohnungen, Straßen, die mit überraschenden Kurven und Ecken den Häusern folgen und den Menschen, nicht den Autos gehören. Im ganzen Städtchen gibt es kein einziges Verkehrsschild. Das mit Lavendel und Rosen geschmückte Idyll scheint direkt aus dem 18. Jahrhundert zu kommen.

„Wo gibt es so etwas?“ fragt Cafébesitzer Tom Parsley später im Octagon Café im Zentrum. „Man macht die Haustür auf und steht auf der Straße.“ Offensichtlich genießt der blonde Südafrikaner etwas Narrenfreiheit. Aber anders als die meisten Spötter weiß er, wovon er redet. Tom wohnt hier. Er ist Gemeinderat. Sein Café ist das Zentrum des Orts. Und er fragt sich, warum niemand an Mülleimer gedacht hat oder Sonnenenergie verboten ist. Charles hat bestimmt, dass jedes Haus einen Schornstein braucht, um „vollständig“ zu sein. Solarpaneele würden das Stadtbild stören.

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