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Denk’ ich an Deutschland...

Die Handelsblatt-Auslandskorrespondenten sind über den ganzen Globus verteilt. Tag für Tag berichten sie aus Washington, Tokio, Moskau oder Sydney. Aber was denken die Menschen in diesen Teilen der Erde über Deutschland? Die Korrespondenten haben sich umgehört - und sind auf erstaunliche Widersprüche, alte Klischees und neue Erkenntnisse gestoßen.

... dann denkt der Grieche an König Otto. Nicht den, der von 1832 bis 1862 das Land regierte, sondern Otto Rehhagel, mit dem die griechische Fußball-Nationalmannschaft 2004 Europameister wurde und der seiner Elf die Qualifikation für das Turnier 2008 sicherte. Jetzt muss seine Truppe nur noch bei der EM im kommenden Jahr den Titel verteidigen. Dann heben die Griechen König Otto auf den Olymp.    Gerd Höhler, Athen

... "- dann bin ich beeindruckt von der Entschlossenheit der Politik beim Klimaschutz", sagt Arnaud Pinteren, grüner Gemeinderat in Brüssel. Bei uns sind viele alte Häuser sehr schlecht gedämmt, wir heizen in Brüssel die Straße. Aber die Deutschen wundern sich ja auch über unsere beleuchteten Autobahnen."    Helmut Hauschild, Brüssel

... dann denkt der Brüsseler Bürokrat an die deutsche Kanzlerin. Angela Merkel sei Dank, ist der neue EU-Vertrag unter Dach und Fach. Seitdem liegt ihr Europa zu Füßen. Da durfte eine angemessene Ehrung nicht fehlen: 2008 erhält sie den Karlspreis.    Michael Scheerer, Brüssel

... dann denkt der Niederländer: Wenn es der deutschen Wirtschaft schlecht geht, dann schwappt das auch ins Polderland. Aber eigentlich interessiert nur eine Frage: Wer kommt weiter bei der Fußball-Europameisterschaft 2008?    Ruth Reichstein, Den Haag

... dann denken die Experten der Welthandelsorganisation an Spitzenleistungen: Deutschland bleibt Exportweltmeister. Nur: Lange werden die Deutschen den Titel nicht mehr verteidigen können. China ist einfach zu groß - selbst für Deutschland.   J. D. Herbermann, Genf

... dann dachte der Durchschnittsbrite bis 2006 immer noch in Weltkriegskategorien. Doch die WM hat viel Positives bewirkt. Fußballfans schwärmten über gute Stimmung und gutes, billiges Bier. Mehrere erzählten mir, dass sie bald wieder nach Deutschland reisen wollen. Und dann sind da ja noch die preiswerten Immobilien. Wer weiß, vielleicht entsteht hier gerade ein neuer Trend?    Dirk Heilmann, London

... denk ich an den soliden deutschen Sparer und Häuslebauer, der keinen enormen Schuldenberg vor sich herschiebt wie viele Engländer. Sicher sind die Deutschen nicht das risikofreudigste und unternehmenslustigste Volk auf diesem Planeten, aber dafür droht am deutschen Immobilienmarkt anders als in Großbritannien auch keine Wiederholung der amerikanischen Subprime-Krise.   Michael Maisch, London

... dann trägt eine kleine Umfrage auf einer Londoner Dinnerparty wenig zutage. Von Deutschlands neuem Weltgewicht hat keiner etwas gehört. "Meinst du, wie Merkel das mit der EU-Verfassung eingefädelt hat?" fragt Jonathan, der Journalist. "Wie wenig Engländer in Deutschland Urlaub machen, erstaunlich bei einem so schönen Land", meint Pat dann, um einmal etwas Positives zu sagen. "Vielleicht ist es das Essen, das liegt einfach schwer im Magen." Zeit das Thema zu wechseln...    Matthias Thibaut, London

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