Musiker auf Abwegen
Die seltsamen Auftritte des Xavier Naidoo

Der Sänger Xavier Naidoo stellt sich mit Verschwörungstheoretikern und Verfassungsfeinden auf die Bühne. Das ist zu viel für seine Unterstützer aus Mannheim. Doch andere stellen sich hinter ihn. Die Debatte geht weiter.
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DüsseldorfIst ihm der Ruhm zu Kopf gestiegen? Politiker aus Mannheim sind gerade nicht so gut zu sprechen auf den wohl berühmtesten Sohn der Stadt: Xavier Naidoo. Kollegen wie der Rapper Kool Savas stellen sich dagegen hinter ihn und sprechen von einer "Hexenjagd". Naidoo wurde während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bekannt, weil die deutschen Kicker einen seiner Songs liebten: "Dieser Weg wird kein leichter sein."

Was ist passiert? Stein des Anstoßes sind Äußerungen, die der Musiker bereits Anfang Oktober in Berlin machte. Politiker gehen deshalb auf Distanz, Geschäftspartner setzen die Zusammenarbeit aus. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass der Sänger durch krude Ansichten von sich Reden macht. Diesmal ist es nur besonders auffällig.

In kurzer Hose und hellblauem Hemd steht Naidoo am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, vor dem Berliner Reichstag. Er spricht zu den Reichsbürgern, einer Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die glauben, das Deutsche Reich bestehe in seinen Grenzen von 1937 fort – regiert von einer Art Exilregierung. Die Bundesrepublik Deutschland halten sie für nicht existent, sie erkennen deshalb auch ihre Gesetze und erst recht ihre Verfassung nicht an.

Hinter der Bewegung stecken laut Experten unter anderem auch rechtsextreme Gruppierungen. Der Verfassungsschutz beobachtet die Aktivitäten der Bewegung in verschiedenen Ländern, etwa in Brandenburg. „Ich möchte, dass wir irgendwie Ordnung schaffen in diesem Land“, spricht Xavier Naidoo ins Mikrofon.

Lauten Applaus bekommt er zu seiner Theorie über Terroranschlägen des 11. September: Dieser sei ein Warnschuss gegen die Allmacht der USA gewesen. „Wer das als Wahrheit hingenommen hat, was darüber erzählt wurde, der hat den Schleier vor den Augen – ganz einfach.“ Er habe in Mannheim, durch die Nähe zu den dortigen US-Basen immer wieder unmittelbar vor Augen gehabt, wie sehr die US-Amerikaner Deutschland kontrollierten.

Dem Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) gefällt das alles nicht: „Was ich mir wünsche ist, dass er diese Linie der Infragestellung unserer Staatlichkeit nicht weiter verfolgt“, sagt Kurz über den Sänger. „Das sehe ich aber im Moment nicht, dass er davon Abstand nimmt.“

Kommentare zu " Musiker auf Abwegen: Die seltsamen Auftritte des Xavier Naidoo"

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  • Xavier Naidu hat doch mit seiner Musik schon genug Unheil angerichtet - muss er sich nun auch noch mit der Rettung der Welt beschaeftigen?

  • das zu ihrer "freien demokratie"

    http://www.zdf.de/frontal-21/auf-horchposten-in-deutschland-bundesregierung-duldet-us-spione-35515148.html

  • man schaue einfach die letze frontal 21 sendung...

    und denke dann nochmal über seine rede nach.....

    also ganz so unrecht kann er nich haben...^^

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