Mysteriöse Plastiktüte
Bericht: Bombenspur zeigt nach Beirut

Die Ermittlungen nach den Bombenfunden in Dortmund und Koblenz deuten einem Zeitungsbericht zufolge doch auf einen terroristischen Hintergrund hin. In einem der Koffer sei neben dem Sprengsatz eine Tüte mit arabischer Schrift entdeckt worden.

HB BERLIN. Ersten Erkenntnissen der Ermittler zufolge stamme die Tüte aus der libanesischen Hauptstadt Beirut, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Es sei aber auch möglich, dass die Täter damit eine falsche Spur in den Nahen Osten hätten legen wollen. Zugleich verdichteten sich Hinweise, wonach die Bomben grundsätzlich scharf und zündfähig waren. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft wollte sich dem Bericht zufolge nicht dazu äußern.

Derzeit suchen die Behörden auch mit Hilfe von Flugblättern nach Zeugen, die zu den Funden nähere Angaben machen können. Nach den Bombenfunden hatte die Bundesanwaltschaft Ermittlungen gegen unbekannt wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung übernommen. Sie schließt aber auch einen kriminellen Hintergrund nicht aus.

Die beiden Sprengsätze waren am Montag in Dortmund und Koblenz aufgetaucht. Ein Koffer wurde in einem Regionalzug zwischen Aachen und Hamm gefunden und am Dortmunder Hauptbahnhof abgegeben. Das zweite Gepäckstück hatten Unbekannte im Regionalexpress zwischen Mönchengladbach und Koblenz abgestellt. Beide Koffer enthielten eine Gasflasche, Benzin, Zündvorrichtungen und Batterien.

Außerdem entdeckten die Fahnder ein weißes Pulver, mit dem die Täter möglicherweise einen Giftanschlag vortäuschen wollten. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte Medienberichte, wonach eine Tüte mit Speisestärke entdeckt wurde. Die Bundesanwaltschaft gebe aber „keine Bewertung“ des Fundes ab. Sie werde sich nicht an Spekulationen zum Zweck des Pulvers beteiligen.

Die Bombenfunde haben eine Debatte über die Sicherheit bei der Bahn ausgelöst. Unionspolitiker forderten Maßnahmen wie durchgängige Videoüberwachung in Bahnhöfen und Zügen bis hin zu Sicherheitskontrollen wie an Flughäfen.

„Wir können es nicht darauf ankommen lassen, dass die erste Bombe in einem ICE explodiert“, sagte CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis der „Passauer Neuen Presse“. Das Bundesinnenministerium forderte er auf, darüber Gespräche mit der Bahn zu führen. Der CDU-Innenexperte Clemens Binninger forderte eine durchgängige Videoüberwachung mit Aufzeichnung auf Bahnhöfen.

Bahnsprecher Martin Walden wies die Forderungen zurück. „Jeden Tag werden tausende Gepäckstücke vergessen, mit denen wir umgehen müssen.“ Man müsse sich sehr genau überlegen, was das System leisten könne, sagte er im WDR. Zur Videoüberwachung sagte Walden, dies sei bisher auf Großbahnhöfe und Brennpunkte beschränkt. „Aber wenn Sie sich vor Augen führen, dass wir 5400 Bahnhöfe und Haltepunkte haben, dann vermittelt das einen ungefähren Eindruck davon, über welche Dimensionen wir reden.“

Kriminalitätsexperten warnen unterdessen vor der Gefahr von Trittbrettfahrern. In Hamburg und Frankfurt am Main hatten am Mittwoch herrenlose Koffer für Aufregung gesorgt.

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