Nach der Katastrophe vom Sonntag
Pariser Unglücksterminal evakuiert

Einen Tag nach seinem Einsturz mit vier Todesopfern ist das moderne Terminal 2E des Pariser Flughafens in Roissy am Montag nach verdächtigen Deckengeräuschen hastig evakuiert worden. Es habe in der Betonhülle geknackt, teilte die Flughafengesellschaft ADP mit.

HB PARIS. Alle Räumungstrupps und die Experten, die das Unglück untersuchten, seien aus der Halle abgezogen worden. Die 650 Meter lange Wartehalle war am Sonntag auf einer Länge von 30 Metern aus noch ungeklärter Ursache eingebrochen.

Einen Tag nach dem Teileinsturz des Terminals 2E auf dem Pariser Großflughafen Roissy Charles-de-Gaulle mit vier Toten begann am Montag die technische Untersuchung der Unglücksursache. Wenn es nötig wird, „reißen wir das ganze Bauwerk ab“, sagte der Flughafenpräsident Pierre Graff der Zeitung „Le Parisien“ (Montagausgabe). Bisher waren die Behörden von fünf oder sechs Toten ausgegangen. Die Suchhunde hätten an mehreren Stellen angeschlagen, weil Körper zerrissen worden seien, sagte der Leiter der Bergungsarbeiten, Frédéric Monard, am Montag. „Wir hoffen, keine weiteren Opfer zu finden.“ Außerdem habe es drei Verletzte gegeben, sagte der Feuerwehr-Oberst bei einem Besuch von Premierminister Jean- Pierre Raffarin am Unglücksort.

Die Wartehalle des erst vor elf Monaten eröffneten Terminals 2E war am Sonntag auf einer Fläche von 30 mal 20 Metern eingestürzt. Das Unglück löste in Frankreich ungläubiges Entsetzen aus. Raffarin zeigte sich tief betroffen. Die Regierung werde sehr genau die Ergebnisse der juristischen und technischen Ermittlungen prüfen, damit die Wahrheit ans Licht komme, sagte er. Die Justiz hatte am Sonntag ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt eingeleitet. Eine technische Untersuchung soll die Unglücksursache klären.

Unklarheiten herrschten am Montag über den zeitlichen Verlauf des Unglücks. Nach offiziellen Angaben waren kurz vor dem Einsturz der Stahl- und Glaskonstruktion um 07.00 Uhr morgens Risse und ein Krachen bemerkt worden. Die Zeitung „France Soir“ berichtete jedoch, Mitarbeiter der Sicherheitsfirma ICTS hätten bereits um 05.30 Uhr Risse bemerkt und gesehen, dass Staub und Betonteilchen von der Decke gerieselt seien. Sie hätten die Flughafengesellschaft ADP alarmiert. „Mehr als eine Stunde und 20 Minuten später geschah das Unglück“, schreibt die Zeitung.

Der ADP-Präsident Pierre Graff warnte vor voreiligen Schlüssen bei der Schuldzusprechung. Bei früherer Kritik an dem Bauwerk sei die Struktur nie in Frage gestellt worden. „Die besten Experten sind vor Ort. Sie sind wie wir: Sie sind fassungslos“, sagte er der Zeitung „Le Parisien“ (Montagausgabe). Wenn es nötig werde, „reißen wir das ganze Bauwerk ab“, sagte Graff. „Wir werden kein Sicherheitsrisiko eingehen.“ Der erste Verdacht richtet sich auf Bau- oder Konstruktionsmängel. Der Bauexperte Michel Vermat sagte dem Fernsehsender TF-1, bereits beim Bau der 450 Meter langen Hallenkonstruktion seien Risse in den Trägern behoben worden.

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