Nach Dürre
2,6 Millionen Afghanen vom Hunger bedroht

Nach einer langen Dürreperiode droht Millionen Afghanen der Hungertod. Um sie zu retten, muss Hilfe vor dem Wintereinbruch ankommen. Doch der Westen konzentriert sich auf den Truppenabzug.
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Masar-i-SharifWenn ihre sieben Kinder nach Essen fragen, reagiert Sara ratlos. „Ich sage ihnen, dass wir abwarten müssen, ob Vater etwas nach Hause bringt“, sagt die von Kopf bis Fuß in eine blaue Burka gehüllte Frau. Sara gehört nach Schätzungen der afghanischen Behörden und internationaler Hilfsorganisationen zu den 2,6 Millionen Afghanen, die nach einer der schlimmsten Dürren des Jahrzehnts Hunger leiden. 

14 der 34 Provinzen des Landes sind betroffen und alle liegen im Norden. Die Brunnen sind ausgetrocknet, die Ernte ist auf den Feldern verdorrt und viele verarmte Familien haben ihre Dörfer verlassen, um in der Stadt Arbeit, Wasser und Nahrung zu suchen. 

Sara und ihre Familie flohen wie hunderte andere Menschen aus den schroffen Alburs-Bergen nach Masar-i-Sharif, die Hauptstadt der Provinz Balch. In der vergangenen Woche verteilte eine norwegische Organisation dort Hilfspakete mit Küchenutensilien, Decken, Lampen und anderen Dingen an die Flüchtlinge. „Wir haben wenig Nahrung“, sagt Sara neben ihrem Hilfspaket kauernd. „Wenn mein Mann Arbeit findet, kann er auf seinem Heimweg etwas Brot und Gemüse kaufen. Wenn nicht, gibt es nichts.“ 

Mit 40.000 Tonnen Weizen, 5.000 Tonnen Reis, 10.000 Tonnen Saatgut und 20.000 Tonnen Tierfutter kam die afghanische Regierung den von der Dürre betroffenen Regionen schon zu Hilfe. Bislang mache er sich noch keine Sorgen, dass jemand verhungern könnte, sagt der Katastrophenschutzbeauftragte der von der Dürre stark mitgenommenen Provinz Balch. Aber das ändere sich mit dem Wintereinbruch. „Wenn das Wetter sehr, sehr kalt wird und wenn keine Hilfe kommt, werden in den abgelegenen Gebieten Familien vom Hungertod bedroht sein“, sagt er. 

In sechs Bezirken warteten Menschen auf Hilfe, sagte Sainab Noori, Mitglied eines lokalen Rats in der Provinz Bamijan. „Wenn die Hilfe nicht im kommenden Monat geliefert wird, wird der Schnee die Straßen versperren“, sagt er. 

Am 1. Oktober haben die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten. Von den geforderten 142 Millionen Dollar gingen bislang 49 Millionen Dollar an Hilfszusagen aus den USA und Europa sowie von Hilfsorganisationen ein. Weil die Geberländer ihre ganze Aufmerksamkeit dem Abzug ihrer Soldaten aus Afghanistan widmen, sei es schwierig, sie dazu zu bewegen, Entwicklungshilfe zu schicken oder langfristige Lösungsansätze zu diskutieren, sagt der Chef des UN-Koordinierungsbüros für humanitäre Hilfe, Aidan O'Leary. 

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Wenig Geld in die Bekämpfung der Armut geflossen

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  • Für sieben Kinder braucht man halt das siebenfache eines einzelnen Kindes.

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