Nach Erdbeben in Italien
Streit um Trauerfeier für Opfer

Mehr als 230 Todesopfer des Erdbebens in Italien kamen aus Amatrice. Die Bewohner der kleinen Stadt fordern: „Gebt uns unsere Toten zurück.“ Der Hintergrund: Es wird über den Ort der Trauerfeier gestritten.

RomUm die Trauerfeier für die Erdbebenopfer von Amatrice ist in Italien ein Streit entbrannt. Zunächst hieß es, die Zeremonie solle an diesem Dienstag am Flughafen der größeren Stadt Rieti stattfinden. Nach dem Protest der Angehörigen wurde die Trauerfeier aber wieder nach Amatrice zurückverlegt. „Die Bestattung der Opfer wird in Amatrice stattfinden, wie es der Bürgermeister und die Gemeinde gefordert haben. Und das ist richtig so“, twitterte Ministerpräsident Matteo Renzi am Montag.

Der Bürgermeister der Stadt sagte, die Feier werde am Dienstagabend im Beisein von Renzi stattfinden. Wo war noch unklar, weil die Kirche des Ortes auch zerstört ist. Knapp 80 Leichen wurden der Nachrichtenagentur Ansa zufolge nun wieder von Rieti nach Amatrice zurücktransportiert.

Das Erdbeben hatte die kleine Stadt am Mittwoch vergangener Woche verwüstet. Mehr als 230 der mindestens 290 Todesopfer kommen aus dem Ort. Am Samstag hatte es bereits ein Staatsbegräbnis mit Präsident Sergio Mattarella und Premierminister Renzi in Ascoli Piceno in den Marken gegeben. „Nach Rieti gehen wir nicht, gebt uns unsere Toten zurück“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa einen Protestierenden in Amatrice. „Heute ist ein hässlicher Tag“, zitierten Medien den Bürgermeister der Stadt, Sergio Pirozzi. „Stellt Euch den Schmerz derer vor, die ihre Lieben verloren haben.“

Nach dem Erdbeben versprach die Regierung einen transparenten Wiederaufbau. „Jeder Cent für die Hilfe wird überprüft“, erklärte Renzi in seinem Newsletter. Der Wiederaufbau müsse „so klug und schnell wie möglich“ geschehen. Allerdings dürfe nichts überstürzt werden. Einrichtungen wie die Anti-Korruptions-Behörde seien eingeschaltet, um Misswirtschaft zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits, weil möglicherweise beim Bauen gepfuscht wurde.

Der Regierungschef holte sich zum Wiederaufbau auch Rat bei dem italienischen Stararchitekten Renzo Piano. „Renzi wollte von mir einen Rat, eine Vision, eine Hilfe für ein großes Projekt“, sagte der 78-jährige Architekt der Zeitung „La Repubblica“. Der Aufbau werde mindestens zwei Generationen dauern. Die Häuser der erdbebengefährdeten Apennin-Bergregion, die sich von Nord- bis Süditalien erstreckt, müssten modernisiert werden, damit sie künftig Erdstößen Stand hielten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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