Nach monatelanger Debatte um die Ehrung
Biermann sorgt bei Ehrenbürger-Verleihung für Eklat

Der Liedermacher und Dichter Wolf Biermann hat bei seiner Ernennung zum Berliner Ehrenbürger mit massiver Kritik am Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit für einen Eklat gesorgt.

HB BERLIN. „Ich finde es verbrecherisch, dass Sie sich mit den Erben der DDR-Nomenklatura so tief eingelassen haben. Das tut mir weh“, sagte Biermann in seiner Dankesrede zur Verleihung der höchsten Auszeichnung im Roten Rathaus der Hauptstadt direkt an Wowereit gewandt.

Der 1976 aus der DDR ausgewiesene Biermann hatte es zuvor bereits mehrfach als Verbrechen bezeichnet, dass die Berliner SPD mit der SED-Nachfolgepartei gemeinsam regiert. Der PDS, die seine Ernennung zum Ehrenbürger nicht mitgetragen hatte, dankte der Dichter dafür, „dass Sie in kaderkrampfiger Geschlossenheit meine offene und ehrlichen Feinde bleiben“.

Wowereit, der dem 70-Jährigen die Auszeichnung zuvor überreichte, hatte die Kritik in seiner Laudatio zuvor zurückgewiesen. Berlin habe eine demokratisch gewählte und legitimierte Regierung, betonte Wowereit. Es bleibe zwar jedem unbenommen, auch pointiert für einen Regierungswechsel einzutreten, sagte der SPD-Politiker. „Die Regierungsbildung in Berlin aber als verbrecherisch zu bezeichnen, geht bei aller Freude über kontroverse Debatte zu weit“, sagte Wowereit.

Der Regierende Bürgermeister würdigte Biermann als großen Künstler und einen großen und leidenschaftlichen Humanisten, der mit seiner Arbeit maßgeblich zum Verfall des DDR-Regimes beigetragen habe. Biermann gehöre zu den Wegbereitern der Einheit Berlins und Deutschlands, heißt es in der Ehrenbürgerurkunde. „Biermann steht in besonderer Weise für den Widerstand gegen das SED-System. Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Fackel der Aufklärung auch den Nebel einer Diktatur durchdringt“, sagte Wowereit.

Biermann nannte in seiner Dankesrede die monatelange Debatte um seine Ehrung ein „politisches Possenspiel“, das ihn halb amüsiert und halb gekränkt habe. Er bemühte sich aber auch um versöhnliche Töne: „Diesen Wowereit, der mit der PDS im Bett liegt“, wolle er zwar nicht um den Hals fallen, in ihm aber auch „keinen falschen Feind“ haben. „Sie können doch an einem Finger abzählen, dass ich Sie nicht für einen Verbrecher halte“, sagte er trotz seiner Kritik an den Bürgermeister gewandt. Die Ehrenbürgerwürde sei für ihn eine Art Wiedereinbürgerung nach seiner Ausbürgerung 1976.

Biermann wurde wegen seiner regimekritischen Lieder in der DDR 1976 ausgebürgert.

Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde hatten die Oppositionsparteien CDU, Grüne und FDP initiiert. In der Berliner SPD war der Vorschlag zunächst auf Ablehnung gestoßen. Der Koalitionspartner Linkspartei enthielt sich der Stimme. Biermann wird der 115. Ehrenbürger der Hauptstadt. Zu den Berliner Ehrenbürgern zählen unter anderem die Schauspielerin Marlene Dietrich, die früheren US-Präsidenten Ronald Reagan und George Bush, der letzte sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, die Altbundeskanzler Helmut Kohl und Helmut Schmidt und der frühere Bundespräsident Johannes Rau.

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