Nationale Trauerfeier
Norwegen nimmt Abschied von den Terror-Opfern

In drei Wochen wird Norwegen der Opfer der Anschläge von Oslo und Utøya gedenken. Das kündigte Ministerpräsident Stoltenberg an. Zugleich lobte er die besonnenen Reaktionen auf die unfassbaren Taten Anders Breiviks.
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OsloNorwegen will am 21. August mit einer nationalen Trauerfeier der 77 Toten bei den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya gedenken. Das kündigte Ministerpräsident Jens Stoltenberg am Montag vor dem Parlament an. Zu der Feier knapp einen Monat nach den Anschlägen vom 22. Juli sollen Überlebende, Angehörige der Opfer und andere Betroffene zusammen mit Helfern bei den Rettungseinsätzen, Personal aus Krankenhäusern und Polizisten eingeladen werden.

Die Polizei teilte mit, dass sie seit den Anschlägen mehr als 200 Zeugen vernommen habe. Sie will bei den Ermittlungen unter anderem sämtliche Handys aller Augenzeugen des Massakers auf Utøya mit geführten Gesprächen und SMS-Mitteilungen auf verwertbare Aussagen überprüfen. Außerdem sollen „sämtliche Aktivitäten“ des rechtsradikalen Attentäters Anders Behring Breivik in den letzten zehn Jahren unter die Lupe genommen werden. Dabe gehe es vor allem um mögliche Beteiligung an rechtsextremen Netzwerken, hieß es in Oslo.

Stoltenberg sagte bei der Trauerfeier im Parlament: „Wir werden uns an den 22. Juli immer als eine schwarzen Tag in der Geschichte unseres Landes erinnern.“ Die Bevölkerung habe auf die Terroranschläge „verantwortungsvoll und mit Würde reagiert und sich für die Demokratie entschieden“.

Mit Blick auf die vielen jugendlichen Opfer meinte Stoltenberg, die jungen Menschen in Norwegen insgesamt hätten sich „in tränenreichem Protest“ erhoben. „Die 22.-Juli-Generation, das sind unsere Helden und unsere Hoffnung.“ Der sozialdemokratische Regierungschef appellierte an seine Landsleute, im Gefolge der Anschläge weiter Toleranz zu üben: „Ich bitte von diesem Rednerpult darum, keine Hexenjagd auf Meinungsäußerungen zu starten.“

Viele Menschen würden die Trauerphase auch nutzen, um über eigene Haltungen nachzudenken: „Mit dem 22. Juli als Ballast kann es durchaus Dinge geben, dir wir vielleicht lieber anders formuliert hätten. Etwas, das wir in Zukunft vielleicht mit größerer Einfühlung ausdrücken werden.“

Breivik hatte als Motiv für den Massenmord in seinem „Manifest“ immer wieder Hass auf den Islam und islamische Zuwanderer angeführt und die norwegische Migrationspolitik kritisiert. Nach der Festnahme erklärte er vor der Polizei auch, er habe die Sozialdemokraten „möglichst hart“ treffen wollen. Die meisten seiner Opfer waren Mitglieder der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF im Alter zwischen 14 und 19 Jahren.

 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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