Neue Perspektiven für den Golfsport
Halbwelten

Golf auf St. Pauli - das ist der Charme des Paradoxen: Hier das Elitäre, da das verstoßene Proletariat. Eine unschlagbare Mischung. Der Auftakt zu einer Demokratisierung des Golfsportes?

So, Herrschaften. Jetzt mal ran an die Klischeemaschine. Wie stellt man sich den typischen Golfspieler vor? Karierte Knickerbocker, Sportkäppi, weiße Schuhe mit fliegenpupsgroßen Stanzlöchern. Und wie stellt man sich den typischen St.-Pauli-Reeperbahner vor? Übergewichtig, tätowiert, Bierdose. Also so ziemlich das genaue Komplementär. Wenn jetzt pfiffige Golfer und Kiez-Liebhaber losziehen und beides vermengen, nein, dann besucht nicht die Knickerbocker das Dollhouse oder die Bierdose die Driving-Range. Dann bedient man sich nur der Imagination von Golf und Gammel und heraus kommt etwas ganz und gar Provokatives.

Der Golfclub St. Pauli wurde im April 2006 von neun Golfverrückten gegründet, initiiert vor allem aber von Hanjo Nehl (ehemaliger Rechtsanwalt, Marketing- und Vertriebsprofi und Hcp. 15,2), Andreas Clausen (den Alsterradio-Hörern in Hamburg als AC aus der Morning-Show bekannt; Hcp. 18,2) und Konstantin Mirliauntas (einem ehemaligen Rugbyspieler vom FC St. Pauli, weshalb er auch ein Handicap von satten 49 hat).

Die drei Jungs befanden eines Tages: Wir wollen nicht nur kurze Golf-Events organisieren, sondern ein Projekt auf die Beine stellen bzw. in den Caddy setzen, das langfristig ist, kommunikativ und dabei ohne die typischen vereinsmeiernden Handicaps auskommt. Keine Kleider-Bevormundung. Keine Eintrittsbeschränkung. Keine Regelbevormundung. Also gründeten sie einen Nichtgolfverein-Verein. Einen eigenen Golfplatz haben sie nicht, dafür aber die Patenschaft von 18 "wilden" Löchern auf 18 Golfanlagen. Jedes Mitglied ist Mitglied in einem anderen, meist traditionellen Golfverein. Das "Vereinsheim" des Golfclubs St. Pauli befindet sich im Hotel East, nicht weit von Reeperbahn und der Herbert-Straße. Die Vereinshymne singt Udo Lindenberg, der ja selbst schon so etwas ist wie eine fleischgewordene Synthese aus Revolution und Bürgerlichkeit. So weit, so freakig.

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