Neues Bushido-Video
„Politik darf keinen Gewalt-Rapper hofieren“

„Ich schieß auf Claudia Roth, sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz.“ Mit solchen Aussagen tritt Bushido in seinem neuen Lied auf. Die Politik reagiert mit Abneigung – und fordert den Integrations-Bambi zurück.

Düsseldorf/BerlinEr hat eigentlich nur einen Gastauftritt, dennoch bestimmt der die Schlagzeilen. In dem neuen Musikvideo „Stress ohne Grund“ von Rapper Shindy Charmant teilt Bushido in seinen Textzeilen ordentlich aus: Gewaltfantasien gegen Claudia Roth und weitere Politiker.

Irgendwie scheint Bushido das neue Biedermann-Image mit Einfamilienhaus, Frau und Kind doch etwas zu langweilig geworden zu sein. Stattdessen geht der Rapper auf Attacke: Neben Roth („Ich schieß auf Claudia Roth, sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“) zieht Bushido auch über Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit („Du wirst in Berlin in deinen Arsch gefickt wie Wowereit“) her und wünscht FDP-Politiker Serkan Tören keine allzu gute Gesundheit („Ich will, dass Serkan Tören jetzt ins Gras beißt“). Tören hatte gefordert, dass Bushido der 2011 verliehene Bambi wegen seiner Gewalt verherrlichenden und homophoben Texte aberkannt wird.

Zwar werden sich Bushido und sein Rap-Partner Shindy über die Aufmerksamkeit für ihr Stück wegen der wohl kalkulierten Wort-Attacken freuen, dennoch könnte „Stress ohne Grund“ noch ein rechtliches Nachspiel haben. Nach eigenen Angaben prüft die Berliner Staatsanwaltschaft das Lied. „Das Video ist uns bekannt. Die Staatsanwaltschaft ist in die rechtliche Prüfung eingetreten“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Thomas Fels, am Freitag. Strafanzeigen seien jedoch bisher nicht eingegangen.

Stress mit Grund könnte aber noch folgen: Laut der Bild-Zeitung wollen Tören und Wowereit Strafanzeige erstatten. „Ich stelle nächste Woche einen Strafantrag bei der Berliner Staatsanwaltschaft. Sie muss prüfen, ob der unsägliche Text eine Morddrohung oder einen Aufruf zum Mord beinhaltet,“ sagt Tören in dem Blatt. Der stellvertretende Berliner Senatssprecher Bernhard Schodrowski kündigte an, dass auch Wowereit diesem Schritt folgen werde. „Wir prüfen nicht nur rechtliche Schritte, der Regierende Bürgermeister erstattet Strafanzeige in dieser Sache“, sagte Schodrowski.

Auch Claudia Roth hätte allen Grund dazu, wenn die Textzeilen als Aufruf zum Mord interpretiert werden. In einer ersten Stellungnahmen sagte der Sprecher von Roth, Jens Althoff, das habe nichts mehr mit Rap und Kunst zu tun. „Bushido pöbelt nur noch herum, hetzt menschenverachtend gegen Homosexuelle und Frauen und droht jetzt auch noch Politikerinnen und Politikern offen mit Gewalt.“ Das sei unterirdisch. „Sonst fällt ihm nichts mehr ein, um irgendwie noch Kasse zu machen.“ Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour sprang den Geschmähten am Samstag zur Seite und übte scharfe Kritik an Bushido. „Wer als Musiker so wenig Talent hat, muss zu solchen fragwürdigen Mitteln greifen“, sagte Nouripour der Nachrichtenagentur AFP.

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer und menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, forderte den Verleger Hubert Burda auf, dem Skandal-Rapper Bushido wegen seiner jüngsten Hasstiraden gegen Politiker und Homosexuelle den Integrations-Bambi abzuerkennen. „Wenn Burda den Integrations-Bambi nun nicht zurückzieht, ist dieser Preis nur noch für die Tonne gut. Burda muss sich von den Mordaufrufen Bushidos distanzieren. Hier darf man sich keine Halbheiten leisten“, sagte Beck Handelsblatt Online.

Außerdem müssten sich CDU und CSU von ihrem ehemaligen Praktikanten „endlich ordentlich distanzieren, mit dem selbst Innenminister Friedrich vergangenen Sommer noch einen auf beste Freunde gemacht hat“, sagte Beck weiter. „Ein Gewalt-Rapper, der gegen Juden, Homosexuelle und Frauen hetzt, darf vom vermeintlichen politischen Establishment nicht weiter hofiert werden.“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, sagte: „Wir Liberale im Deutschen Bundestag stehen für freie Meinungsäußerung. Wir stehen für die freie Entfaltung von Kunst und Kultur. Hier ist aber jede Grenze absolut überschritten.“ Die gesamte Fraktion verurteilte den Angriff auf Serkan Tören auf das Schärfste.


Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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