Neuss
Mann ersticht Sachbearbeiterin in Jobcenter

Schreckliche Bluttat in einem Jobcenter: Im rheinischen Neuss sticht ein Mann auf eine junge Mitarbeiterin ein. Die 32-Jährige stirbt wenig später im Krankenhaus. Der Täter wird festgenommen. Sein Motiv ist unklar.
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NeussEine 32 Jahre alte Sachbearbeiterin des Jobcenters im rheinischen Neuss ist am Mittwoch von einem Kunden erstochen worden. Tatverdächtig ist ein 52 Jahre alter Mann aus der Stadt. Der mutmaßliche Täter war bei dem unangemeldeten Besuch mit ihr allein im Büro, als er sie mit dem Messer attackierte. Ein Kollege des Opfers alarmierte die Polizei. Die Frau starb später im Krankenhaus. Der Mann wurde nage des Jobcenters vorläufig festgenommen. Über das Tatmotiv wurde zunächst nichts bekannt. Eine Mordkommission ermittelt, wie die Polizei des Rhein-Kreises Neuss berichtete.

Der Notruf war gegen 9.05 Uhr bei der Polizei eingegangen. Eine Mitarbeiterin werde bedroht. Als die ersten Polizisten am Tatort eintrafen, fanden sie die verletzte Frau mit schweren Stichwunden gefunden. Zeugen wiesen die Beamten auf den Tatverdächtigen hin. Er wurde kurz darauf festgenommen. „Wir wissen, dass Täter und Opfer alleine im Zimmer waren. Das bedeutet, dass wir keine unmittelbaren Zeugen haben“, sagte Staatsanwältin Britta Zur. Der Mann sei für die Polizei ein unbeschriebenes Blatt gewesen.

Das Opfer arbeitete seit 2009 für das Jobcenter Rhein-Kreis Neuss. Die Frau sei Arbeitsvermittlerin für Arbeitslosengeld II-Empfänger in einem Projekt für über 50-jährige Kunden gewesen, teilte das Jobcenter mit.

15 Menschen in dem Jobcenter standen nach der Bluttat unter Schock. Notärzte und Seelsorgern betreuten sie. Das Jobcenter bleibe mindestens bis einschließlich Freitag geschlossen, teilte der Rhein-Kreis Neuss als ein Träger mit.

An- und Übergriffe auf Beschäftigte von Jobcentern nähmen zu, stellte die Deutsche Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen fest. Bei einer Befragung von 500 Mitarbeitern im Jahr 2009 habe jeder vierte angegeben, Opfer eines Übergriffs gewesen zu sein. Anlass seien häufig ablehnende Bescheide in Hartz IV-Verfahren. Die komplizierte und oft schwer durchschaubare Gesetzeslage provozierten Wut und Verzweiflung. Wenn es um die Existenz gehe, dann seien Kurzschlusshandlungen alles andere als vorhersehbar. „Nichts rechtfertigt jedoch den brutalen und tödlichen Messerangriff auf die junge Frau“, stellte der NRW-Vorsitzende Erich Rettinghaus fest.

Die Situation in vielen Jobcentern sei durch Überlastung und Frust geprägt, stellte der Vorsitzende der Jobcenterpersonalräte Uwe Lehmsiek in einer Mitteilung fest. Druck und Sparzwänge trügen zu aggressivem Kundenverhalten bei. Übergriffe könnten durch einen realistischen Betreuungsschlüssel und eine „vernünftige Personalausstattung reduziert werden.

Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, zeigte sich entsetzt und betroffen. „Nichts, aber auch gar nichts, rechtfertigt eine solche Handlungsweise“, sagte auch er laut Mitteilung in Nürnberg. Alle Sicherheitsmaßnahmen in den Jobcentern könnten einen Vorfall dieser Art nicht verhindern. „Unsere Mitarbeiter können sich nicht hinter Schutzglas verschanzen. Wir brauchen eine Vertrauensbasis mit unseren Kunden. Dazu müssen wir eine offene Behörde sein.“

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Neuss: Mann ersticht Sachbearbeiterin in Jobcenter"

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  • Unfassbar, welche Kommentare ich hier lesen muss.
    Ich fühle mich genötigt klarzustellen, dass...
    1) Die Mitarbeiter im Jobcenter ausschließlich ihre (schlecht-bezahlte, meist befristete) Arbeit machen und offenbar damit auch noch ihr Leben auf's Spiel setzen.

    2) Oft kann man es sich nicht aussuchen, wo man arbeitet, das wissen - im Gegensatz zu ihren Kunden - die Jobcenter-Mitarbeiter ganz genau. Und trotzdem machen sie ihren Job.

    3) Mich erstaunt die immernoch weit verbreitete Annahme, dass im Jobcenter (oder "Arbeitsamt") tatsächlich Arbeit zu bekommen ist?! Ich lese/höre immer wieder über Beschwerden, dass diesem oder jenem keine Arbeit vom Amt zugeteilt wurde.
    Also bitte: Beim Arbeitsamt im SGB II Bereich sind doch überwiegend nur noch die übrig, die nirgends sonst unterkommen: 38 Jahre, 4 Kinder, keine Ausbildung, schlechte Sprachkenntnisse, keine Berufserfahrung
    Das ganze System ist NUR darauf ausgerichtet, diese Leute zu verwalten. Die ganzen "Maßnahmen" sind dafür gedacht, den Menschen beizubringen, wie man morgens früh aufsteht und irgendwo hin geht. Wie man eine Bewerbung schreibt. In der Eingliederungsvereinbarung werden 3-5 Bewerbungen pro Monat ausgemacht, die dann noch nichtmal auf die Reihe bekommen werden. Das erwartet noch nichtmal einer. Es geht nur um eine fiktive Gegenleistung für das vom Staat empfangene Steuergeld und um "Beschäftigungstherapie". Und mal ehrlich: Kunden, die in den Aufzug pinkeln um sich an "ihrer" Sachbearbeiterin zu "rächen" sind noch das mildeste, was die armen Leute da jeden Tag erleben.

    4) Wer auch immer gepostet hat, dass der "Staat es nicht schafft, Arbeit zu schaffen" - Bitte nochmal nachdenken, bevor die Mauer wieder hochgezogen wird und "alle Arbeit haben"...Also wirklich...

  • Sehr geehrter DERRichter, bitte entschuldigen Sie diesen Fehler. Wir haben Ihren Kommentar nicht aufgrund von Werbung, sondern beleidigender Inhalte editiert. Mit freundlichen Grüßen

  • Dreamfield, sollten Ihre Ausführungen zum Jobcenter Kiel der Wahrheit entsprechen, wäre das ein Skandal ersten Ranges. Obwohl ich den Wahrheitsgehalt Ihrer Ausführungen nicht beurteilen kann, habe auch ich, wie schon zuvor an dieser Stelle kundgetan, aus meiner beruflichen Erfahrung im Sozialbereich den Eindruck gewonnen, dass gerade in den Leistungsabteilungen der Jobcenter viel zu Diskriminierung, Bösartigkeit [...]. +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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