New Orleans zum Katastrohengebiet erklärt
„Das könnte der Big One sein“

Als Monstersturm der schlimmsten Kategorie 5 hat der Hurrikan „Katrina“ am Sonntag Kurs auf die Südostküste der USA genommen. Von Louisiana bis Florida flohen zehntausende Menschen ins Landesinnere, Hunderttausende bereiteten sich auf Evakuierungen vor.

HB MIAMI/WASHINGTON. Nach Angaben von Meteorologen könnte „Katrina“, die am Montagmorgen oder -vormittag (Ortszeit) auf dem Festland erwartet wird, der zweit- oder drittmächtigste Hurrikan werden, der jemals die USA getroffen hat. „Dieser Sturm hat das Potenzial, viele Menschen zu töten“, warnte der Direktor des Hurrikan-Zentrums in Miami, Max Mayfield.

Als wahrscheinlichstes Ziel galt am Sonntag das Grenzgebiet von Louisiana und Mississippi und damit besondere Sorge der weltberühmten Jazzmetropole New Orleans. Sie liegt größtenteils niedriger als der Meeresspiegel und könnte bei einem direkten Aufprall des Sturms von bis zu siebeneinhalb Meter hohen Flutwellen getroffen werden.

„Katrina“ könne für New Orleans „the Big One“ werden, sagte Ed Rappaport vom Hurrikan-Zentrum. „Das hier ist kein Test. Das hier ist die Wirklichkeit“, warnte auch Bürgermeister Ray Nagin. „Vernagelt Eure Häuser mit Brettern, sorgt dafür, dass Ihr genug Vorräte, Arzneien und Benzin für Eure Autos habt (... )Dieser Hurrikan hat New Orleans im Visier.“

Bereits am Samstag hatte US-Präsident George W. Bush Louisiana vorsorglich zum Katastrophengebiet erklärt - das ermöglicht rasche Bundeshilfe. Gouverneurin Kathleen Blanco beschwor die Bevölkerung, die Ruhe zu bewahren, um ein Chaos bei den anstehenden Massenevakuierungen zu vermeiden. Zugleich rief aber auch sie bereits am Samstag dazu auf, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. „Wir haben 36 Stunden, danach könnte es zu spät sein“, warnte sie.

„Katrina“ entwickelte am Sonntag rund um ihr Zentrum Windgeschwindigkeiten von fast 260 Stundenkilometern und könnte damit in niedrigen Küstenabschnitten Flutwellen bis zu 15 Kilometer weit ins Inland treiben. Das Unwettergebiet ist zudem äußerst groß: Noch 45 Kilometer vom „Auge“ des Sturms entfernt wüteten am Sonntag Winde mit Hurrikan-Stärke. Das Zentrum in Miami warnte deshalb vor möglichen weit verbreiteten Schäden. Generell können Stürme dieser Stärke extreme Verwüstungen anrichten, das heißt, Häuser niederreißen, unzählige Bäume entwurzeln und ganze Landstriche unter Wasser setzen.

Am Sonntag wälzten sich auf vielen Straßen in den bedrohten Regionen die Autoschlangen dutzende Kilometer lang in Richtung Inland. An zahlreichen Tankstellen ging das Benzin aus. Die Nationalgarde half bei den Vorbereitungen von der Verkehrsleitung bis hin zur Überprüfung der Dämme, die New Orleans schützen. Die Stadt, die wegen ihrer tiefen Lage auch als „Suppenschüssel“ bezeichnet wird, hat rund 470 000 Einwohner plus hunderttausende Touristen und ist gleich an drei Seiten von Wasser umgeben: dem Golf von Mexiko, dem Fluss Mississippi und dem See Pontchartrain. Insgesamt leben in der Region von New Orleans 1,4 Millionen Menschen.

Die Zufahrtstraßen zur Stadt wurden am Sonntag zu Einbahnstraßen erklärt: Es gab nur den Weg aus der Metropole heraus. Aber rund 100 000 Menschen in New Orleans verfügen nicht über ein Auto - daher sollte der Superdome, das Stadion der Stadt, zur Notunterkunft umfunktioniert werden. Touristen wurden zudem aufgerufen, auf jeden Fall in oberen Häuserstockwerken Schutz zu suchen. Der örtliche Katastrophenschutzleiter Walter Maestri sprach von extremen Risiken für die Stadt und empfahl, auch zu beten. „Wir wissen seit langem, dass es uns früher oder später wieder treffen wird“, zitierte ihn der Sender CNN. „Nun könnte es uns erwischen.“

New Orleans hatte im Jahr 1965 seine bisher schlimmste Sturmkatastrophe erlebt. Damals hatte Hurrikan „Betsy“ die halbe Stadt unter Wasser gesetzt, 60 000 Menschen wurden obdachlos, und in Louisiana sowie den angrenzenden Staaten kamen über 70 Menschen ums Leben.

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gab es überhaupt erst drei Hurrikans der Kategorie 5, die die USA heimsuchten. Hurrikan-Experten verglichen Wirbelsturm „Katrina“ in seiner Stärke und seinem Umfang mit dem Kategorie-5-Hurrikan „Camille“, der 1969 mehr als 250 Menschen in den Tod gerissen hatte.

„Katrina“ hatte bereits am Donnerstagabend (Ortszeit) als Hurrikan der schwächsten Kategorie 1 den Südzipfel Floridas heimgesucht, war dann in den Golf von Mexiko gewirbelt und hatte über dem warmen Wasser stetig Energie getankt. In Florida hinterließ der Sturm mindestens sieben Tote und teilweise schwere Überflutungen. Am Wochenende waren eine Million Einwohner des noch immer ohne Strom, nachdem „Katrina“ zahlreiche Leitungen heruntergerissen hatte. Bei Temperaturen über 30 Grad verteilte die Nationalgarde Eis an die betroffenen Menschen, die dafür teilweise stundenlang Schlange standen. Nach ersten Schätzungen hat „Katrina“ allein schon in Florida Schäden in Höhe von mindestens 600 Millionen Dollar angerichtet. Bei ihrem zweiten Besuch in den USA dürften es Milliarden werden.

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