Nordkorea und Iran
Die Achse des Rohöls

Der Rückblick verdeutlicht, wie kontraproduktiv Bushs Außenpolitik gewirkt hat: Nordkorea und Iran sind noch gefährlicher geworden. Die Staaten fühlen sich unangreifbar - auch weil der hohe Ölpreis sie schützt.

DÜSSELDORF. Stephen Hadley wirft noch einen Blick auf die Weltkarte in seinem Büro hinter dem Oval Office, bevor er am 31. Dezember das Licht im Weißen Haus ausmacht - und wird einen tiefen Seufzer kaum unterdrücken können. Der Stapel unerledigter Dossiers auf dem Schreibtisch des Sicherheitsberaters von US-Präsident George W. Bush ist in diesem Jahr weiter gewachsen. Nicht nur die Akte "Irak" schwillt an - die Dossiers "Iran" und "Nordkorea" lassen sich kaum bändigen. Und im Aktenkabinett lauern noch mehr Schurken.

Knapp fünf Jahre, nachdem Bush seinen Kampf gegen die "Achse des Bösen" ausgerufen hat, ist es Zeit für eine Bilanz. Der Begriff "Schurkenstaat" gilt zwar als politisch nicht mehr korrekt, aber das Phänomen ist virulent: Staatschefs, die sich außerhalb der internationalen Ordnung bewegen, die globale Sicherheit gefährden und gegen Einflussversuche resistent sind. Amerika - als Frontmann des Westens - hat seine Feinde keineswegs in die Schranken verwiesen: Alte Gegner werden stärker, neue kommen hinzu.

Das vergangene Jahr hat jede Illusion zerstört, Iran sei mit diplomatischen Mitteln von seinem Atomkurs abzubringen und Nordkorea zur Vernunft zu bringen. Zwar war es das Jahr, in dem Amerika zur Kooperation mit Europa zurückgekehrt ist, ein Jahr extensiver multilateraler Gesprächsrunden. Doch weder die Verhandlungen der EU-3 (Großbritannien, Frankreich, Deutschland) mit Iran noch die Sechser-Runden mit Nordkorea sind einen Schritt vorangekommen - allen Zugeständnissen und Sanktionsdrohungen zum Trotz.

Nun zeigt sich, dass Amerikas aggressive Außenpolitik die Fronten dauerhaft verhärtet hat. Bush habe nicht zwischen den "sich überlappenden Bedrohungen" differenziert, sagt Jacob Weisberg, Chef des einflussreichen US-Onlinemagazins Slate. Indem er Schurkenstaaten, Atomwaffen produzierende Länder und Unterstützer des Terrorismus in einen Topf warf, habe Bush "geholfen, seinen eigenen Albtraum zum Leben zu erwecken". Das Ergebnis: Viele Diktatoren arbeiten nun "wie eine Art antiamerikanische Kooperative - wie sie es vorher nicht taten".

Ein Rückblick verdeutlicht, wie kontraproduktiv Bushs Außenpolitik gewirkt hat. In der Rede im Januar 2002 hatte der US-Präsident seine Lehren aus den Terroranschläge vom 11. September 2001 gezogen und die Präventivschlags-Doktrin begründet: Um Amerika vor terroristischen Angriffen zu schützen, müsse es weit im Vorfeld aktiv werden und gegen die "Achse des Bösen" auch militärisch vorgehen. Nicht El Kaida sei das Problem, sondern die staatlichen Sponsoren des Terrors. Die machte Bush im Irak und in Afghanistan aus, aber auch in Iran und Nordkorea.

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