Norwegen
Felslawine bringt Wohnblock zum Einsturz

Eine Felslawine hat einen sechsstöckigen Wohnblock im norwegischen Ålesund zum Einsturz gebracht. Unter den Trümmern vermuten die Rettungsmannschaften fünf Menschen. Doch statt sich zu den Verschütteten vorzuarbeiten, müssen die Helfer untätig abwarten.

dpa OSLO. Eine Felslawine hat ein sechsstöckiges Wohnhaus im norwegischen Ålesund zum Einsturz gebracht und wahrscheinlich fünf Menschen begraben. Auch einen halben Tag nach dem Einschlag der Felsmassen am frühen Mittwochmorgen konnten Bergungsmannschaften nicht nach den Verschütteten suchen - akute Explosionsgefahr, neue Felseinschläge sowie ein Brand verhinderten einen Rettungseinsatz.

Die Behörden evakuierten alle Häuser im Umkreis von 500 Metern, weil ein undichter Tank mit 4000 Litern Gas zu explodieren drohte. Auch die Bergungsmannschaften und die Feuerwehr mussten sich zeitweise komplett von der Unglücksstelle zurückziehen. „Unter solchen Umständen gibt es für die Vermissten keine Hoffnung mehr“, sagte ein Polizeisprecher. Man sei nicht sicher, wie viele Menschen sich tatsächlich in den unteren Wohnungen aufgehalten hätten.

Die gewaltige Kraft des Felseinschlages hatte die beiden unteren Etagen des Hauses sieben bis acht Meter auf die vor dem Haus liegende Straße geschoben. Ein kompletter Zusammenbruch des Gebäudes sei nicht auszuschließen, hieß es von der Einsatzleitung. Das Terrassenhaus war erst vor fünf Jahren gebaut worden.

Alle 15 Bewohner der vier oberen Stockwerke gelangten entweder aus eigener Kraft ins Freie oder wurden von Einsatzkräften gerettet. Zwei Menschen erlitten leichte Verletzungen. Zu den Geretteten gehörte auch das im obersten Stock in einer Penthouse-Wohnung lebende Architektenpaar, das das Gebäude entworfen hatte.

„Erst dachten wir, es sei ein Erdbeben“, berichtete ein Bewohner im Rundfunksender NRK. Erst bei der Rettung durch die Feuerwehr sei ihm klar geworden, dass „der halbe Berg heruntergekommen war“. Der Einschlag der gewaltigen Felsbrocken hatte die Bewohner kurz nach halb vier Uhr morgens geweckt. Auch die Straße vor dem Haus wurde komplett zerstört.

Das Unglück ereignete sich direkt neben der Schwimmhalle der Kleinstadt an Norwegens Westküste, weniger als einen Kilometer vom Zentrum entfernt. Zur Suche nach den Vermissten wurden Einheiten der norwegischen Armee nach Ålesund beordert, die sonst für die Vereinten Nationen im Einsatz sind. Die Spezialisten wurden unter anderem bei einem Erdbeben im Iran Ende 2003 eingesetzt.

Die zuständige Baugesellschaft erklärte, das Terrassenhaus sei „entsprechend den Vorschriften und verantwortungsvoll“ geplant und gebaut worden. Man habe auch geologische Gutachten über die Lawinengefahr am benachbarten Berg eingeholt.

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