Österreich
Inzest-Prozess: Angeklagter legt Geständnis ab

Im Inzest-Prozess von St. Pölten, der unter strengstem Polizeischutz eröffnet wurde, hat der Angeklagte Josef Fritzl ein Geständnis abgelegt. Allerdings bekannte er sich nicht bei allen Vorwürfen schuldig.

HB ST. PÖLTEN. Fritzl bekannte sich in den Anklagepunkten Vergewaltigung, Freiheitsentziehung und Blutschande für teilweise schuldig. Den Vorwurf des Mordes und der Sklaverei wies er hingegen zurück.

Das Verfahren wurde unter riesigem Medienandrang und strengstem Polizeischutz eröffnet. Fritzl betrat ohne ein Wort zu sagen den Gerichtssaal. Sein Gesicht versteckte der 73-Jährige hinter einer blauen Aktenmappe, die er mit zitternden Händen hielt. Von der Seite war sein Kopf mit schütterem Haar zu sehen. Er wurde von mehreren Polizeibeamten begleitet. Auf die Fragen von Journalisten antwortete er nicht. Die Anklage wirft ihm Mord, Vergewaltigung, Sklaverei, Freiheitsentziehung und Blutschande vor. Die wichtigste Zeugin ist Elisabeth Fritzl, die 24 Jahre lang in einem schalldichten Verlies unter ihrem Elternhaus in Amstetten eingesperrt war. Die 42-Jährige brachte in dem Keller sieben Kinder zur Welt. Drei von ihnen mussten von Geburt an mit ihr in den engen Räumen ohne Tageslicht ausharren.

Die ersten drei Jahre nach ihrer Entführung sei Elisabeth Fritzl in einer nur elf Quadratmeter großen Zelle im Keller gefangen gewesen, sagte Staatsanwältin Christiane Burkheiser bei der Verlesung der Anklageschrift. Es habe keine Heizung, keine Dusche und kein Warmwasser gegeben. Elisabeth war 1984 im Alter von 18 Jahren verschleppt worden. Nach der Geburt der Kinder erweiterte Fritzl das durch schmale Gänge verbundene Verlies auf rund 50 Quadratmeter. Fritzl habe seine Tochter vor den Augen ihrer Kinder vergewaltigt, sagte Burkheiser.

Sein Mandant bereue seine Taten, sagte Fritzls Verteidiger Rudolf Mayer kurz vor Beginn der Verhandlung. "Er zeigt Reue darüber, was er aufgrund seiner Persönlichkeit den Opfern angetan hat", sagte Mayer. Laut einem ärztlichen Gutachten liegt bei Fritzl eine schwere psychische Störung vor. Er wurde jedoch für zurechnungsfähig erklärt. Es sei damit zu rechnen, dass Fritzl auch nach dem Verbüßen einer Strafe in einer geschlossenen Anstalt für abnorme Rechtsbrecher bleiben müsse, sagte Mayer.

Fritzls Tochter Elisabeth wird nicht vor die Geschworenen treten. Die Videoaufnahmen ihrer mehr als elf Stunden dauernden Aussage werden in der Verhandlung hinter verschlossenen Türen gezeigt.

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