Opfergaben in Vietnam
Brennendes Geld fürs Jenseits

Viele Vietnamesen wollen, dass ihre Vorfahren auch im Jenseits ein schönes Leben führen. Sie verbrennen deshalb gerne Autos, Häuser und Frauen aus Papier. Das Geschäft mit den Opfergaben boomt.
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HanoiManchmal bleibt es bei Nguyen Thi Hanh nicht bei einem einfachen Gebet zu ihren Vorfahren. Sie macht dann ein Feuerchen und verbrennt in einer Keramikurne Geld. Falschgeld. Die 56-Jährige hat falsche 10.000-Dollarscheine für paar Cents gekauft. Diese Geldscheine werden neben vielen anderen Opfergaben aus Papier in Vietnam häufig für die Toten angezündet.

„Ich verbrenne das Papier damit meine Vorfahren Geld im Leben nach dem Tod ausgeben können“, sagt Nguyen. „Außerdem sollen sie den Wächter des Jenseits bestechen, damit sie auf die Erde zurückkehren können.“ Die Tradition ist Tausende Jahre alt und stammt ursprünglich aus China. Die vietnamesische Regierung hat wegen des Rauchs und der Verschmutzung versucht, das Papierverbrennen zu verbieten - ohne Erfolg.

Die steigende Inflationsrate und dadurch höhere Preise in Vietnam haben dazu geführt, dass es sich viele nicht leisten können, richtiges Geld zu verbrennen. Die Praxis, Falschgeld zu zündeln, ist deshalb weit verbreitet. In einem Land, wo Traditionen und Ahnenverehrung eine große Rolle spielen, profitiert die Industrie von den Opfergaben aus Papier. Und auch andere Wirtschaftszweige wollen an dem Boom teilhaben.

Doan Phuong Hai hat so einen Weihpapier-Laden im alten Viertel von Hanoi. Wie viele andere Ladenbesitzer, verkauft sie Opfergaben aus Papier, die den Toten Glück bringen sollen. In den Regalen stehen Sportautos, Villen, Kühlschränke, Waschmaschinen neben Pässen, Kreditkarten und sogar iPhones. Seit 75 Jahren ist die Familie von Hai im Geschäft. Noch nie lief es so gut, sagt sie. Ungefähr sieben bis 18 Euro verdient Hai umgerechnet damit an einem durchschnittlichen Tag. An guten Tagen sind es bis zu 144 Euro.

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Brennendes Geld fürs Jenseits

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50.000 Tonnen brennendes Papier

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  • Hallo Herr MeierNguyen,

    Danke für Ihren schönen Bericht! Ich selbst war leider erst 1x in Vietnam und da leider nur für ca 6 Wochen. Habe einen Journalisten kennengelernt der mir sagte dass er jederzeit verhaftet werden könnte wenn er etwas dem Regime unliebsames schreibt. Das zum Thema Meinungsfreiheit... Ich erlebte das politische u wirtschaftliche Systhem eher als eine unglückliche Kombination der Nachteile von Kommunismus u Kapitalismus, ohne die jeweiligen Vorteile der beiden Systheme. Turbokapitalismus, Geld/Ansehen/Besitz ist fast noch wichtiger als bei uns (wo jeder irgendwas besitzt), teure Privatschulen, teure Privatuniversitäten, geheiratet wird nach Geld u Stand (bzw Geld u Schönheit) wie im Europa des 19.Jhd. Kein Sozialsysthem (zum Glück funktionieren die Familienclans wirklich gut), keine Pressefreiheit, keine Demonstrationsfreiheit usw... Viiiiiele interessante u wunderbare Menschen von denen wir vieles lernen können, aber doch auch ein Land mit viiiielen Problemen...
    Aber alles gute weiterhin! ;-)

  • Vielen Dank für diesen doch sehr informativen text =D

  • Die Menschen im Norden sind (ausserhalb der Grosstädte Ha Noi und Hai Phong) eher zurückhaltend, trotz aller Freundlichkeit und schliessen nicht schnell engen Kontakt. Wenn man zuerst überal hin eingeladen wird, darf man sich nicht täuschen lassen -. eine innere Reserviertheit ist dann noch lange nicht abgebaut, echte Freundschaften entstehen seltenst schnell.
    Man bekommt auch gern sehr, sehr indiskrete Fragen aufgetischt ("Wieviel verdienst Du" oder "Ist Deine jetzige Frau schöner als die erste..."), das ist dort aber eben die Natur der Menschen und nicht böse Absicht.

    Die Südvietnamesen sind um einiges zugänglicher als die Norvietnamesen und sehr viel "westlicher" eingestellt.

    Für die ersten Jahre würde ich es also empfehlen, damit der Kulturschock nicht noch grösser ist, als er es eh schon sein wird, in Ha Noi, Ho Chi Minh City(Sai Gon) oder , für "Fortgeschrittene" - Hai phong zu leben.
    Alles andere wäre ein grosses Risiko.
    Die Gesundheitsversorgung auf dem land ist katastrofal schlimm, die Krankenhäuser dort auf dem lande sehen aus wie Müllhalden, wirklich, und die Ärzte sind durchweg unfreundlich und inkompetent.

    Wer Mut hat un d Kraft,und sich einlässt auf Vietnam, der wird in Vietnam in schöneres leben haben können als in Deutschland. Trotz der von mir aufgeführten Kritikpunkte.

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