Papst in Deutschland
Zwischen Freude, Bedauern und Enttäuschung

Während Papst Benedikt XVI. in Freiburg freudig empfangen wurde, zeigten sich nach dem Gespräch mit den Missbrauchsopfern in Erfurt einige enttäuscht über die „bedeutungslose Geste“.
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Freiburg/ Erfurt20.000 Menschen haben in Freiburg Papst Benedikt XVI. begrüßt. Auf dem Weg zum Münsterplatz nahm sich der Papst am Samstag Zeit für die rund 200 Meter lange Strecke im Papamobil, winkte und segnete die Menschen. Es war ein freundlicher Empfang für den Papst auf der dritten Station seiner Deutschlandreise, nur vereinzelt wurden kritische Stimmen laut. Nach Berlin und Thüringen will das katholische Kirchenoberhaupt auch in Freiburg vor allem Zeichen des Glaubens setzen. Nach der Fahrt durch die Menge zelebrierte der Papst im Münster ein Gebet mit 600 Gläubigen. Der Papst wurde von seinem Privatsekretär Georg Gänswein begleitet, der im Freiburger Münster 1984 zum Priester geweiht wurde. 

Die Menschen hatten zuvor teilweise lange an den Absperrgittern in der engen Freiburger Innenstadt ausgeharrt, die der Papst im Papamobil zurücklegte. Einige sangen Kirchenlieder. Allerdings fiel der Andrang längst nicht so groß aus wie erwartet: Bis zuletzt konnten Schaulustige an die Strecke kommen. Eigentlich hatten die Behörden erwartet, dass die Zugänge schon Stunden vor der Ankunft des Papstes wegen Überfüllung gesperrt werden müssten. Es war Platz für 25.000 Menschen.

Der Papst hatte seine viertägige Deutschlandreise am Donnerstag in Berlin begonnen. Dort sprach er unter anderem vor dem Bundestag und feierte eine Großmesse im Olympiastadion. Am Samstag kam er in Erfurt mit Vertretern der deutschen Protestanten zusammen und nahm an einem ökumenischen Gottesdienst teil. Nach einem Mariengottesdienst im thüringischen Etzelsbach traf er am Abend zudem Opfer von Missbrauch durch katholische Geistliche. Papst Benedikt XVI. hat sich nach dem Treffen „bewegt und erschüttert“ von der Not der Betroffenen gezeigt. Nach Angaben des Vatikans versicherte der Papst bei der Begegnung am späten Freitagabend, den Verantwortlichen in der Kirche sei an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen. Die Kirche sei zudem bemüht, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Opferverbände kritisierten das Treffen dagegen als eine „bedeutungslose Geste“. Sie führe lediglich dazu, dass sich eine Handvoll misshandelter Personen für eine Weile besser fühlten, sagte der Sprecher des internationalen Netzwerks von Missbrauchs-Opfer in der katholischen Kirche (SNAP) am Samstag.

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