Paris
Illegale Werbeaktion endet im Fiasko

Verwüstung statt Geldregen, ein aufs Dach geworfenes Auto und zwölf Festnahmen: Die illegale Werbeaktion einer französischen Internet-Schnäppchen-Seite im Herzen von Paris ist am Wochenende in ein Debakel ausgeartet.
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AP PARIS. Rund 5 000 Menschen hatten sich am Samstag vor dem Eiffelturm versammelt, weil die Seite Mailorama.fr die Verteilung von Geldgeschenken im Gesamtwert von 25 000 Euro angekündigt hatte. Als es zu einem Verkehrschaos kam und die Menge die Mailorama-Mitarbeiter bestürmte, wurde die Aktion eiligst abgesagt.

Doch dadurch gerieten die angelockten Menschen erst richtig in Rage, einige griffen die Sicherheitskräfte an. Polizisten wurden mit Projektilen beworfen, öffentliche Toiletten verwüstet, ein Personenwagen demoliert. Szenen wie bei den berüchtigten Vorstadtunruhen, doch diesmal direkt unter der größten Touristenattraktion der französischen Hauptstadt.

Die Verantwortlichen von Mailorama, aber auch das für die Sicherheit in Paris zuständige Innenministerium mussten sich am Sonntag unbequeme Fragen gefallen lassen. Wieso wurde die Aktion, die gegen das Gesetz verstößt, nicht vorab verboten? Und warum hatte die Internetseite das Sicherheitsrisiko offenbar völlig unterschätzt? War es nur ein Bluff, um in die Schlagzeilen zu kommen, wie "Le Parisien" vermutet?

Abbruch in letzer Minute

Der Organisator hatte lediglich rund ein Dutzend privater Sicherheitsleute engagiert, um das Verteilen der Geldgeschenke in Päckchen von fünf bis 500 Euro abzusichern. Doch die aufgestellten Metallbarrieren waren rasch umgeworfen, weil Tausende nach den in einfachen Kartons verpackten Geldscheinen gierten. "Als uns das Risiko klar wurde, habe ich den Abbruch der Aktion beschlossen", erklärte Jean-Baptiste Descroix-Vernier, Chef der Mailorama-Mutter Rentabiliweb.

Laut "Le Parisien" hatte Mailorama einen Lastwagen gemietet, um die Scheine unters Volk zu werfen. Der Lkw mit den Mitarbeitern und dem Geld sei schließlich unter Polizeischutz abgefahren.

Die Polizeipräfektur von Paris hatte den Stopp der Geldverteilung in letzter Minute angeordnet. Vorher habe man nicht aktiv werden können, da als Sanktion gegen illegales Werben mit Geld nur ein Bußgeld vorgesehen sei, teilte die Behörde mit. Das Innenministerium kündigte an, Klage gegen die Verantwortlichen der unglücklichen Werbeaktion zu erheben. Rentabiliweb-Chef Descroix-Vernier bemühte sich, die Wogen zu glätten. Das zur Verteilung vorgesehene Geld werde man für einen sozialen Zweck spenden, kündigte er an.

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  • ich bin ehrlich gesagt geschockt, wie weit menschen für ein paar almosen gehen. stammt das bild tatsächlich von den ausschreitungen nach der werbeaktion? ich kann es mir nicht vorstellen! wenn das die gewalt ist, die dort nach der aktion verübt wurde, warum fehlen dann genaue meldungen dazu (verletzte etc)? auf dem bild wird ein mann auf dem boden getreten (anscheinend mit rassistischem hintergrund) und das, wie es aussieht, gerade auf den kopf. diese brutalität erinnert an die u-bahn-schläger, die immer mal wieder in verschiedenen deutschen städten in die medien drängen und wieder vergessen werden. das muss - unabhängig von dieser unsäglich unwürdigen werbeaktion - diskutiert werden und vor allem handlungen nach sich ziehen. opfer dieser gewaltlust leiden (wenn sie nicht bei der tat sterben) ihr leben lang. es kann nicht sein, dass bürgerkrieg die antwort auf globale ausbeutung und perspektivlosigkeit ist.
    ps: nicht zuletzt spielen medien auch eine entscheidende rolle an den niedrigen hemmschwellen, die zu gewalt führen. grüße an die bild-readktion, die hier anscheinend ohne skrupel solche szenen zeigt.

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