Pelz und Öl sind begehrt
Kanadier töten Hunderttausende Robben

Pünktlich mit dem ersten Tageslicht haben kanadische Fischer am Samstag auf den Eisschollen im St. Lorenz-Strom ihre blutige Jagd auf Robbenbabys begonnen. Pelz und Öl der Tiere bescherten den industriearmen Provinzen an Kanadas Atlantikküste im vergangenen Jahr 14,5 Millionen US-Dollar (12,1 Millionen Euros).

HB MONTRÉAL. 335 000 Tiere, kaum eines älter als drei Monate und viele gerade erst 20 Tage alt, dürfen in diesem Frühjahr getötet und gehäutet werden. „Wir sind erschüttert, dass so viele Sattelrobben, fast ausnahmslos wehrlose Jungtiere, erschlagen und erschossen werden dürfen“, bedauerten Ex-Beatle Sir Paul McCartney und seine Frau Heather in einem Video aus London. Es wurde am Freitagabend von der Tierschutzorganisation Humane Society veröffentlicht. „Warum macht die kanadische Regierung nicht endlich Schluss mit dieser grausamen und unnötigen Tradition“ und entschädige die Fischer für ihren finanziellen Verlust, fragte das Paar.

Ottawa verteidigt seine Entscheidung, an der Jagd festzuhalten und die Fangquote sogar noch zu erhöhen, mit der schnell wachsenden Robbenpopulation. „Unglücklicherweise sind wir selbst zum Opfer einer internationalen Propagandakampagne geworden“, bedauerte der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper in heimischen Medien. „Wir sind überzeugt, dass unser Land verantwortungsbewusst handelt, und werden die Durchsetzung aller Vorschriften überwachen.“

Tierschutzorganisationen kritisieren, dass wehrlose Jungtiere auf grausame Weise erschlagen und nicht selten bei lebendigem Leib gehäutet würden. Die USA verbieten aus diesem Grund die Einfuhr von Robbenprodukten seit 1972. Die EU schloss sich 1983 mit einem Importverbot für den weißen flaumigen Pelz wenige Tage alter Robben an. Inzwischen erlaubt das Fischereiministerium lizenzierten Robbenjägern nur noch die Jagd auf Tiere, deren Pelz bereits eine dunklere Färbung angenommen hat, was gut zehn Tage nach der Geburt beginnt.

Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) fürchtet, dass schon der milde Winter den Robbenbestand erheblich abgebaut hat. Robben bräuchten stabiles Eis, um ihre Jungen aufzuziehen. Vermutlich sei ein Teil des Nachwuchses ertrunken. Der IFAW weist auch darauf hin, dass die Fischer wegen der dünnen Eisschollen in diesem Jahr auf ihre Schiffe angewiesen sind und einen Großteil der Robben aus weiterer Entfernung erschießen müssten. Dabei würden sich viele Tiere verletzt ins Wasser retten und dort elendig ertrinken. Damit könnte der Verlust an Jungtieren am Ende deutlich über der erlaubten Fangquote liegen.

Nach einer Umfrage von 2005 wird das jährliche Robbenschlachten inzwischen selbst von Kanadas Bevölkerung verurteilt. Dem IFAW zufolge lehnten 69 Prozent der Kanadier die kommerzielle Jagd auf die Säugetiere ab. Gegen ihre finanzielle Förderung durch Ottawa sprachen sich sogar 77 Prozent der Landesbevölkerung aus.

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