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Polizei findet verwahrloste Kinder in Wohnung voller Müll

Die Hamburger Polizei hat im Stadtteil Wilhelmsburg in einer verdreckten Wohnung zwei völlig verwahrloste Kinder gefunden. Eine Sprecherin der Sozialbehörde bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des „Hamburger Abendblatts“.

HB HAMBURG. Danach lebten ein zweijähriger Junge und seine vierjährige Schwester in einem abgedunkelten Zimmer einer Dachgeschosswohnung. Die Wohnung sei voller schmutziger Kleidung, Essensreste und Zigarettenkippen gewesen. Auch die Eltern, die Sozialhilfe bezogen, hätten zwischen Müll und verschimmeltem Essen gelebt. Die Kinder seien inzwischen in einem Kinderschutzhaus außerhalb Hamburgs untergebracht, hieß es. Nach Angaben der Sozialbehörde wird jetzt eine Pflegefamilie gesucht. Das Jugendamt Harburg habe keine Auffälligkeiten bei der Familie bemerkt, sagte Behördensprecherin Katja Havemeister der dpa. Da die Mutter (22) bei der Geburt der Tochter noch minderjährig gewesen sei, habe es einen entsprechenden Aktenvermerk darüber gegeben. „Es hat aber nichts darauf hingedeutet, dass eine Gefährdungslage vorgelegen hat“, sagte sie.

Dem Zeitungsbericht zufolge hatte das Zimmer der Kinder weder Heizung noch Strom. Außer den verdreckten Betten befanden sich nur zwei vernagelte Kommoden in dem Raum. Überall lagen benutzte Windeln, Fliegen surrten um die Körper der Kinder, die auf mit Exkrementen verschmierten Matratzen schliefen. Die Türklinken an der Innenseite seien abgebaut gewesen, auch die Fenstergriffe waren demontiert. Die Mutter selbst habe die Polizei gerufen, nachdem sie nach einem nächtlichen Streit mit ihrem drogenabhängigen Lebensgefährten (28) nicht mehr in die Wohnung gelangt war.

Nach Angaben der Zeitung hatte die Familie, die Sozialhilfe bezog, zuvor im Bezirk Mitte gewohnt. Die Mutter habe dort Hilfen zur Erziehung erhalten und einen Beistand bekommen. Auch die Jugendgerichtshilfe sei eingeschaltet gewesen. Möglicherweise seien die Akten beim Umzug nicht nach Harburg weitergeleitet worden, schreibt die Zeitung. Der Fall vom 23. Oktober war erst jetzt bekannt geworden.

Der Fall erinnert an das Schicksal der kleinen Jessica aus dem Stadtteil Jenfeld. Deren Eltern, die sich zur Zeit vor dem Hamburger Landgericht in einem Mordprozess verantworten müssen, hatten laut Anklage das Kind jahrelang grob vernachlässigt. Zuletzt wurde es ohne ausreichend Nahrung und Wasser in einem verdunkelten Zimmer wie in einem Gefängnis gehalten. Die völlig abgemagerte Siebenjährige war am 1. März qualvoll an ihrem Erbrochenen erstickt.

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