Prestigeprojekt Space Center gescheitert
Zukunftsprojekt in Bremen steht vor dem Absturz

Der Senat hofft noch auf einen neuen Investor, doch die Zukunft des Space-Centers ist ungewiss. Fest steht nur, dass im Oktober im Indoor-Erlebnispark erst einmal die Lichter ausgehen.

HB BREMEN. Triebwerke zischen, bengalisches Licht flackert aus den Antriebsdüsen, und aus den Lautsprechern säuselt die Durchsage einer sanften Frauenstimme: „Willkommen in der Raumstation. Ihre Reise durch Zeit und Raum hat begonnen.“ Langsam füllt sich die große Eingangshalle des Bremer „Space Centers“ mit den ersten Tagesgästen. Doch ab Oktober werden keine Besucher mehr kommen können. Der größte Indoor-Erlebnispark Europas muss seine Türen schließen. Erst im Februar dieses Jahres hatte der Erlebnispark, der als großes Prestigeobjekt der rot-schwarzen Koalition gilt, eröffnet.

Viele der heutigen Besucher haben bereits vom angekündigten Ende des Freizeitparks rund um die Themen Raumfahrt und Science-Fiction erfahren. „Schade, wir freuen uns trotzdem auf den Besuch“, sagt ein junges Ehepaar aus Rostock. Auch zwei Urlauber aus Mecklenburg-Vorpommern haben schon vom bevorstehenden Aus gehört. „Umdrehen konnten wir da nicht mehr, wir haben ja schon unsere Eintrittskarten. Und es soll hier wohl bis Oktober weiter gehen. Vielleicht klappt es später noch einmal mit einem Neustart“, sagen sie.

Seit der Eröffnung ist das rund 500 Millionen Euro teure „Zukunftsprojekt“ in den Schlagzeilen. Der Grund: die geringen Besucherzahlen. Jetzt warten 300 Mitarbeiter auf ihre Kündigung. Mit einem „geordneten Rückzug“ soll die Tür für einen Neustart mit neuen Investoren offen bleiben, ein Insolvenzverfahren soll es nicht geben. Fast gebetsmühlenhaft sprechen die Senatoren des SPD/CDU- Regierungsbündnisses seit Monaten von neuen Konzepten, die gesucht werden. Das Land hatte allein 170 Mill. Euro für die Infrastruktur beigesteuert.

Warum scheiterte das Projekt bereits ein halbes Jahr nach der Eröffnung? Am Entertainment-Konzept habe es nicht gelegen, erklärt der Center-Manager Wolfgang Wilke: „Man hat unseren Betriebsmittelkredit von 10 Millionen Euro wieder eingestampft und uns damit den Teppich unter den Füßen weggezogen“, kritisiert er den Bremer Senat und den Hauptinvestor des Space Parks, die Dresdner Bank.

Daneben sei das Space Center immer wieder von den negativen Schlagzeilen des angegliederten Space Parks getroffen worden: Das Einkaufszentrum mit 44 000 Quadratmetern war Voraussetzung für die angepeilte Besucherzahl von 1,4 Millionen Besuchern im Jahr. Doch die Shoppingmeile steht seit ihrer Eröffnung leer, weil sich keine Mieter fanden.

Bei der offiziellen Eröffnung hatte Bürgermeister Scherf noch von einer "Erfolgsgeschichte" gesprochen. Das Projekt biete gute Chancen zur Entwicklung von Stadt und Region, hatten sowohl der SPD-Politiker als auch der damalige Wirtschaftssenator und Christdemokrat Hartmut Perschau erklärt.

Die Bremer FDP setzt das Aus des Erlebniscenters gleich mit dem Scheitern der großen Koalition. Der Bremer Bürgermeister Henning Scherf sei nun gefordert, "zu retten, was noch zu retten ist", sagte der FDP-Landeschef Peter Bollhagen. Das Scheitern des Space Centers biete aber auch die Chance für einen Neuanfang. Das Bundesland oder eine der Tochtergesellschaften des Bremen-Konzerns dürften aber kein neues finanzielles Risiko eingehen, forderte Bollhagen. Nur eine rein private Lösung des Problems sei sinnvoll.



Zwölf Jahre hatte Center-Manager Wilke gegen viele Widerstände in Bremen für das Projekt gekämpft, das als Besuchermagnet und Jobmaschine in der Hansestadt wirken sollte. Die Hoffnung aufgeben will er jedenfalls nicht. Er versucht, den Space Park im nächsten Jahr von März bis Oktober wiedezueröffnen.

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