Proben werden an US-Zentren für Seuchenkontrolle geschickt
WHO bezweifelt neuen SARS-Fall

Singapur hat heute einen neuen Fall der Lungenkrankheit SARS an einem 27-jährigen Forscher bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisaton (WHO) hat allerdings Zweifel: Gemäß den Diagnosekriterien für SARS treffen diese nicht auf den Erkrankten zu. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe nicht. Das Gesundheitsministerium in Singapur hält indes an seiner Diagnose fest.

Reuters SINGAPUR/GENF. „Wir haben strenge Diagnosekriterien für Sars, und sie treffen auf diese Person nicht zu“, sagte WHO-Sprecher Dick Thompson am Dienstag in Genf. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe offenbar nicht.

Dagegen blieb das Gesundheitsministerium in Singapur bei seiner Darstellung, wonach bei einem 27-jährigen Forscher die Krankheit nachgewiesen worden ist. Das Schwere Akute Atemwegssyndrom (Sars) war im November in China ausgebrochen und hatte sich auf 30 Länder ausgebreitet. Dabei kamen mehr als 800 Menschen ums Leben. Die WHO hatte am 5. Juli das Ende der Epidemie erklärt.

Sorgen vor einem Wiederaufflammen der Lungenkrankheit ließen die Kurse von Luftfahrt-Aktien am Dienstag teils deutlich sinken.

„Wie auch immer die Definition der WHO lauten mag, ich kann nicht die Tatsache ignorieren, dass es sich um einen Sars-Fall handelt“, sagte der Gesundheitsminister Singapurs, Khaw Boon Wan. Dies sei durch mehrere Tests bestätigt worden. Die Proben sollten nun an die US-Zentren für Seuchenkontrolle geschickt worden. „Ich gehe davon aus, dass die Tests in den USA positiv ausfallen werden, weil unsere Tests positiv waren“, sagte er.

Der erkrankte Forscher arbeitete dem Gesundheitsministerium zufolge an der Nationalen Universität von Singapur mit dem Erreger des West-Nil-Fiebers. Zwar werde in dem Labor auch der SARS-Virus erforscht, der Mann gehöre jedoch nicht zu den vier auf diesem Gebiet tätigen Personen. „Wir glauben eigentlich nicht, dass er sich den Virus im Labor zugezogen hat“, sagte der für die öffentliche Gesundheit zuständige Leiter der Nationalen Umweltbehörde, Daniel Wang. Die übrigen 23 Mitarbeiter der Einrichtung seien gesund. Nach Angaben der Behörden in Singapur sind 25 Personen unter Quarantäne gestellt worden.

Der Ausbruch von SARS im vergangenen Jahr hatte wegen Reisebeschränkungen und Umbuchungen zu einem massiven Rückgang im internationalen Flugverkehr geführt. Aus Furcht vor einem Wiederaufflammen der Seuche gaben Aktien von Fluggesellschaften am Dienstag weltweit deutlich nach, die Börse in Singapur schloss mit dem größten Abschlag seit Ende März. Die Titel der Lufthansa verloren drei Prozent. Auch die Aktien von KLM, British Airways, Air France, Cathay Pacific und Singapur Airlines verloren.

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