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Brutaler Tsunami – goldener Tsunami

Ein Jahr nach der Flutwelle arbeiten die Menschen in Südasien an ihrer Zukunft. Das Handelsblatt hat die gebeutelte Region besucht. Eine Reise zu den vielen Verlierern der Katastrophe und den wenigen Profiteuren.

PRUTEW. Nein. So hat er sich das nicht vorgestellt. So war die Sache nicht abgesprochen. Und optimal gelöst ist das Problem so auch nicht. Gleichwohl nickt Walter Kretschmar – erst ganz langsam. Dann noch einmal kurz und energisch.

Der Siemens-Manager leitet in Thailand Entwicklungshilfeprojekte im Auftrag der deutschen Wirtschaft und nickt den Fortschritt auf seiner Baustelle ab. Eine Schule soll hier einmal entstehen, in Prutew, einem Dorf im Süden Thailands. Erwachsene sollen hier einen neuen Beruf erlernen. Menschen, denen der Tsunami ihre Existenz geraubt hat. Das Fundament der Gebäude ist fertig und mit Sand aufgefüllt. Und genau das ist das Problem. Eigentlich sollten Kies und Schotter zwischen die steinernen Begrenzungen, diese Mischung ist wasserdurchlässiger als Sand. In einer Region, in der von Mai bis Oktober täglich Regen fällt, nicht eben ein unwichtiges Detail.

„Fünf Stunden haben wir debattiert und uns auf einen Unterboden aus Schotter und Kies geeinigt“, erzählt Kretschmar. Nur haben sich die Arbeiter nicht daran gehalten. Doch Kretschmar unternimmt nichts dagegen. „Wenn ich das rückgängig machen würde, dann gäbe es nur Komplikationen, der Bauleiter würde sein Gesicht verlieren, die Arbeit aufgeben.“ Mit der Folge, dass sich die Arbeiten um Wochen verzögern würden. Also schluckt Kretschmar seine deutsche Gründlichkeit herunter. „Wir haben jetzt nur eine gute, keine sehr gute Lösung. Aber Hauptsache, wir kommen weiter.“

Ein Jahr ist es her, dass das Wasser über Südasien kam und mehr als 200 000 Menschen in den Tod riss, Häuser, Straßen, Brücken, ja ganze Dörfer wegspülte. Ein Jahr ist es her, dass eine Spendenaktion anlief, die die Welt noch nicht gesehen hat. Insgesamt sagten Regierungen, Unternehmen, Hilfsorganisationen und Privatleute 13,6 Milliarden Dollar zu. Bislang ist nur ein Bruchteil der Summe ausgegeben worden, um die schlimmste Not zu lindern. Geld für Essen, für provisorische Unterkünfte, für Fischerboote. Es reichte auch für effekthascherische Aktionen wie Wagenladungen voller Mobiltelefone und Fahrräder, die wahllos verteilt wurden.

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