RKI warnt vor Unterschätzung des Virus
Schweinegrippe breitet sich rasch aus

Angesichts der Ausbreitung der Schweinegrippe auch in Deutschland warnt das Robert-Koch-Institut (RKI) vor einer Unterschätzung des Virus'. Laut RKI betrug die Zahl der Erkrankungen hierzulande am Samstagnachmittag 168, das war ein Anstieg um 52 Fälle gegenüber dem Vortag.

HB FRANKFURT/M. Zwar verlaufen die Erkrankungen in der Regel nach wie vor mild. Man könne aber "keineswegs sagen, dass das Virus harmlos ist", sagte der stellvertretende Leiter der RKI-Abteilung Infektionsepidemie, Osama Hamouda, dem "Focus". Gesundheitsministerin Ulla Schmidt warnte vor übereilten Reaktionen.

Aktuelle Berichte deuteten darauf hin, dass der Erreger A(H1N1) zunehmenden schwere Erkrankungen bei Menschen auslöse, "die keinen der Risikofaktoren aufweisen, die wir von der saisonalen Influenza kennen", sagte Hamouda. Todesfälle sind laut RKI bislang nur auf dem amerikanischen Kontinent aufgetreten, die meisten in Mexiko und häufig bei Menschen mit Grunderkrankungen. Grippeviren verändern ihr Erbgut jedoch ständig. Die WHO weist laut RKI darauf hin, dass das Virus vor allem in der bevorstehenden Grippesaison auf der Südhalbkugel genetisches Material austauschen könnte.

Zunehmende Ansteckungsgefahr

In Deutschland gab es den Großteil der jüngsten Neuinfektionen laut RKI an der japanischen Schule in Düsseldorf. Die Behörden in Düsseldorf gehen aber davon aus, dass derzeit keine umfassende Ausbreitung droht. "Dank unseres schnellen und entschiedenen Eingreifens scheint es gelungen zu sein, die Ausbreitung der neuen Influenza A H1N1 in der Landeshauptstadt Düsseldorf auf den Kreis der Japanischen Schule zu begrenzen", erklärte der Leiter des Gesundheitsamtes, Heiko Schneitler.

Es gibt immer mehr Fälle, bei denen die Infektion nicht eingeschleppt wurde, sondern in Deutschland erfolgte: In Berlin gehen die Behörden bei einer 23 Jahre alten Frau von einem ersten Schweinegrippe-Fall aus. Die Frau hat sich nicht im Ausland, sondern wahrscheinlich in Düsseldorf angesteckt. Mit dem Berliner Fall sind nun alle Bundesländer bis auf Bremen und das Saarland von der Krankheit betroffen.

Zwtl: Kein Anlass zu panischen Reaktionen

Ministerin Schmidt warnte vor überstürzten Aktionen. Mit der WHO-Warnstufe sechs wachse die Sorge vor der neuen Grippe, sagte die SPD-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Sorgen mache ich mir auch. Aber zu übereilten oder panischen Reaktionen besteht kein Anlass." Schmidt zeigte sich zuversichtlich, dass ab Herbst ein Impfstoff verfügbar sei. Am Freitag hatte der Pharmakonzern Novartis die erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffs bekannt gegeben.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann warnte vor der Versorgung mit Grippemedikamenten über das Internet, da diese oft gefälscht seien. "Wer auf eigene Faust Selbstmedikation betreibt, schadet sich und riskiert, dass genau diese Medizin im Notfall wegen Resistenz-Bildungen nicht mehr wirkt", sagte der CDU-Politiker.

Mehr als 1 100 Erkrankungen in Großbritannien

Die Zahl der bestätigten Fälle in Großbritannien ist über 1 100 gestiegen. Die Gesundheitsbehörden meldeten am Samstag 67 neue Fälle. Damit stieg die Gesamtzahl der Erkrankten auf 1 121. Die WHO hatte die Schweinegrippe am Donnerstag zu einer globalen Epidemie erklärt - der ersten Grippepandemie seit über 40 Jahren.

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