Schiffsunglück in China
Kaum noch Hoffnung für 360 Vermisste

Drei Tage nach dem Unglück auf dem Jangtse schwindet die Hoffnung für mehr als 360 immer noch vermisste Schiffsinsassen. Das gekenterte Boot war vor zwei Jahren wegen Missachtung der Sicherheitsstandards aufgefallen.
  • 0

PekingDrei Tage nach dem Schiffsunglück auf dem Jangtse in China sind zehn weitere Leichen geborgen worden. Die Zahl der offiziell registrierten Todesopfer stieg auf 75, wie der Bezirkschef von Jianli, Huang Zhen, am Donnerstag mitteilte. Mehr als 360 weitere Menschen gelten als vermisst. Das Schiff war am Montag mit 456 Menschen an Bord bei Sturm gekentert und liegt seither mit dem Kiel nach oben am Ufer des mächtigen Stroms.

Leichen wurden zu einem Krematorium in Jianli gebracht, wo Verwandte darauf warteten, sie zu identifizieren. Die Behörden hätten erklärt, die Opfer würden erst später gezeigt, sagte eine Frau, die ihre Mutter auf dem gekenterten Kreuzfahrtschiff vermutet.

Das Schiff war am Montag nahe Damazhou in der Provinz Hubei in einen Zyklon geraten und daraufhin umgekippt. Der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete, dass die Einsatzkräfte das umgedrehte Boot mit Hilfe eines Krans stabilisiert hätten, so dass es nicht auf den Grund des Jangtse sinken könne. In der Hoffnung, doch noch Überlebende zu finden, werde mindestens ein weiteres Loch in den Schiffsrumpf geschnitten.

Bislang gibt es lediglich 14 bekannte Überlebende. Einige von ihnen sprangen laut Behördenangaben von dem Schiff, bevor es unterging, und schwammen anschließend ans Ufer. Drei Personen wurden von Tauchern aus Luftkammern innerhalb des Rumpfes gerettet, nachdem die Rettungskräfte Rufe aus dem Inneren des Schiffes gehört hatten.

In Peking erließ der Ständige Ausschuss des Politbüros eine Anordnung zum Umgang mit den Reaktionen auf die Tragödie. Darin hieß es, bei allem Verständnis für die Trauer der Angehörigen müsse die soziale Stabilität gesichert werden. Nach dem Unglück hatte es Kritik und Gerangel mit Angehörigen der Opfer gegeben, die sich schlecht informiert fühlten und Hilfe der Behörden erbaten.

Das plötzliche Unglück dürfte die folgenschwerste maritime Katastrophe in China seit sieben Jahrzehnten sein. An Bord des Schiffes waren überwiegend ältere Chinesen im Alter zwischen 50 und 80 Jahren. Sie waren auf dem Jangtse von der Stadt Nanjing in die Millionenmetropole Chongqing unterwegs.

Unterlagen der Seefahrtsbehörde von Nanjing zeigten, dass vor zwei Jahren Sicherheitsmängel an dem Schiff festgestellt worden waren. Die Behörden setzten es gemeinsam mit fünf anderen auf dem Jangtse fahrenden Schiffen fest, nachdem sie während einer Sicherheitsüberprüfung 2013 zu dem Schluss gekommen waren, dass sie gegen die Standards verstießen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schiffsunglück in China: Kaum noch Hoffnung für 360 Vermisste"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%