„Schlag ins Gesicht“
Sabine Postel kritisiert „Tatort“ mit Laiendarstellern

Wie nur wenige Sonntagskrimis hat die „Tatort“-Folge „Babbeldasch“ das Publikum polarisiert. Jetzt meldet sich eine altgediente „Tatort“-Ermittlerin zu Wort und hat wenig Schmeichelhaftes zu sagen.
  • 0

BremenDie Macher des experimentalen „Tatort“-Krimis „Babbeldasch“ müssen Kritik aus den Reihen der ARD-Fernsehkommissare einstecken. Schauspielerin Sabine Postel (62) sagte in der Radio-Bremen-Talkshow „3nach9“ am Freitagabend über den künstlerischen Einsatz von Laiendarstellern: „Ich finde, das ist ein Schlag ins Gesicht unserer ganzen Gattung, und zwar für alle Leute, die da mitarbeiten. Sei es Kamera, sei es Maske.“ Postel, bekannt als Kriminalhauptkommissarin Inga Lürsen aus dem Bremer „Tatort“, bezog sich mit ihren Äußerungen direkt auf den Ludwigshafener „Tatort“.

Die am 26. Februar ausgestrahlte Ludwigshafener Episode „Babbeldasch“ vom SWR hatte Aufsehen erregt und teils heftige Angriffe ausgelöst, weil sie über weite Teile improvisiert und mit Laiendarstellern inszeniert wurde, die im Pfälzer Dialekt sprachen. Der Zuschauerzuspruch war hingegen mäßig: 6,35 Millionen Zuschauer interessierten sich für den Krimi aus Ludwigshafen. Ein „Tatort“ im Ersten hat normalerweise zwischen acht und zehn Millionen Zuschauer.

Grundsätzlich hätten Experimente mit Laiendarstellern durchaus ihre Berechtigung - „aber nicht auf diesem Niveau“, kritisierte Postel. „Ich find's furchtbar. Ich finde wirklich, das darf man nicht machen.“ Ende Februar war bekanntgeworden, dass Postel und ihr Ermittlerkollege Oliver Mommsen (48) 2019 ihre Rollen im Bremer „Tatort“ aufgeben. Auch Schauspieler Andreas Hoppe (56) aus dem Ludwigshafener Team hört auf - er war Kriminalhauptkommissar Mario Kopper. Kollegin Ulrike Folkerts (55/Lena Odenthal) macht weiter.

ARD-Programmchef Volker Herres verteidigte in der „Bild am Sonntag“ die „Babbeldasch“-Episode: „Zum Tatort gehören immer wieder auch einmal mutige Experimente. Das ist okay, solange es nicht in einen Wettlauf der Redaktionen mündet, wer den abgedrehtesten Film produziert.“ Der „Tatort“ sei „eine Marke, um die uns viele beneiden. Er lebt von der Synthese aus klarem, verlässlichem Versprechen an die Zuschauer und regionaler wie innovativer Vielfalt.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Schlag ins Gesicht“: Sabine Postel kritisiert „Tatort“ mit Laiendarstellern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%