Schock und Wut in Eschweiler
„Das waren unauffällige Männer“

Um 8.05 Uhr am Gründonnerstag war die Jagd auf Markus Wirtz und Markus Lewendel beendet: Die Schweizer Polizei griff auf der Autobahn 2 Richtung Basel vor dem Belchentunnel zu. Die 28 und 33 Jahre alten Männer leisteten keinen Widerstand.

HB/dpa AACHEN/ESCHWEILER. Nach wochenlanger akribischer Ermittlungsarbeit waren die mutmaßlichen Mörder der Geschwister Tom und Sonja aus Eschweiler gefasst. Am Karfreitag erwartete sie in Aachen der Haftrichter. Nun geht es für die Ermittler um die lückenlose Aufklärung der grausamen Verbrechen, über die bisher kaum Details bekannt sind.

Zwei Autofahrer in der Schweiz hatten den Fahndungsaufruf der Polizei in den Medien verfolgt. Auf einer Fahrt zwischen Bern und Basel fiel ihnen am Donnerstagmorgen der schwarze Fiat Punto mit dem Aachener Kennzeichen auf. Per Handy riefen sie die Polizei in Solothurn an. Die zog die Schlinge, die die deutschen Kollegen mit ihrer Arbeit gelegt hatten, zu.

Markus Lewendel und Markus Wirtz verbindet vermutlich nicht nur das Wissen um den Doppelmord an den Geschwistern. Die Männer wohnten seit einigen Jahren im Souterrain eines Wohnhauses nebeneinander. Lewendel war dort Hausmeister. Unter den Bewohnern galt der Mann mit der Stirnglatze als sehr penibel, verschlossen und offensichtlich arm an sozialen Kontakten.

„Am liebsten lief er in einem T-Shirt mit einem großen Aufdruck Polizei herum“, erzählt eine junge Frau. „Er hat sich in alles eingemischt.“ Eine 20-jährige Bewohnerin hatte Lewendel nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr bei der Polizei angezeigt, weil er ihr „anzügliche“ Nachrichten per SMS geschickt habe. „Das waren nur intime Dinge, die nur jemand wissen konnte, der einen lange Zeit beobachtet“, erzählt die junge Frau.

„Das waren unauffällige Männer“, sagt ein Hausbewohner. Als Computerfachmann sei Wirtz oft auf Montage gewesen. „Aber wenn er zu Hause war, waren Lewendel und Wirtz immer zusammen.“ Das letzte Mal habe er die beiden am Montagnachmittag im Garten gesehen. Intensiv hätten sie miteinander gesprochen. „Seitdem sind sie weg“, sagt der Mann.

Möglicherweise haben die beiden gespürt, wie nah die Fahnder ihnen auf den Fersen waren: An jenem Montag hatte die Staatsanwaltschaft ihren DNA-Massentest angekündigt. Die Speichelproben von 2 000 Männern sollten mit DNA-Spuren verglichen werden, die an einem Leichenfundort sichergestellt worden waren.

Außerdem hatten die Ermittler zwei Spuren aufgenommen, die später für den Ermittlungserfolg entscheidend waren: eine Spezialzange, die möglicherweise an einem Leichenfundort entdeckt wurde, und der Hinweis auf den schwarzen Fiat von Markus Wirtz. Die Polizei suchte offensiv nach weiteren Zeugen. Schließlich wurde der Boden zu heiß: Als die Polizei am Dienstag bei den Männern schellte, waren diese bereits auf der Flucht.

Nach dem grausamen Tod des elfjährigen Tom und der neun Jahre alten Sonja trifft die Menschen in Eschweiler der zweite Schock: Die mutmaßlichen Täter kommen aus ihren Reihen, es sind Menschen ihrer Stadt, Nachbarn, Mitbewohner. Schock, Trauer und Wut sitzen tief.

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