„Schon heiß, wie der abgeht"
Im Rennwagen zu Rosi

Ein Renner von Opel? Geht das? Das Weekend Journal ließ den Speedster jemand testen, der Motorsport übertrug: Ex-DSF-Chef Stefan Ziffzer.

"Hier werden also Olympiasieger gemacht“, sagt Stefan Ziffzer voller Bewunderung und schaut sich auf dem weitläufigen Parkplatz der Winklmoosalm um, ob er Spuren von Rosi Mittermeier entdeckt. Die findet er erst beim Abstieg vom Gasthaus: „Mittermeier- Skischule“ steht an einer kleinen Holzhütte einige Meter vom verwaisten Skilift entfernt. Die Fahrt hierher, vom auf 700 Meter gelegenen Talgrund auf die 1 100 Meter hohe Winklmoosalm, war das richtige Terrain, um Ziffzers Testwagen die Sporen zu geben: dem Opel Speedster.

„Schon heiß, wie der abgeht“, stellt der 51-Jährige bewundernd fest, als er einen Mülllaster mit einem beherzten Tritt aufs Gaspedal mitten im Steilhang überholt. Bis vor kurzem leitete er das Deutsche Sportfernsehen (DSF), doch in den Wirren um die Verteilung des Kirch-Imperiums musste er seinen Posten räumen.

Nach anderthalb Stunden auf oberbayerischen Landstraßen hat der gebürtige Wiesbadener zögerlich etwas Vertrauen in das Plastikauto gefasst. Die Beziehung zwischen dem bulligen Mann und dem schrill-gelben Flitzer hat seine Zeit gebraucht. Und das lag beileibe nicht nur daran, dass der 1,86 Meter große Mann zunächst nicht wusste, wie er in das Wägelchen klettern soll: „Und da soll ich jetzt rein? Wo ist denn da der Dosenöffner?“

In der Tat: Die Türgriffe sind nicht leicht zu finden, und Bandscheibengeschädigte könnte der Speedster die Versetzung in den Vorruhestand erleichtern. Fahrer und Beifahrer sitzen fast am Boden. Federung und Komfort? So gut wie nicht vorhanden. Der Einstieg: Eine akrobatische Höchstleistung. Ziffzer: „Wenn ich mit dem Auto zu einem Termin fahren würde, ich müsste zehn Minuten früher gehen als normal. Einfach, weil ich die Zeit zum Ein- und Aussteigen brauche.“

Die Entschädigung folgt schnell – wenn der Motor angelassen wird, stilecht per Startknopf. Findet Ziffzer die Schaltung zu Beginn noch „etwas rumpelhaft“, kreisen die Gedanken später nur noch darum, wie es wäre, mit diesem Auto über den Nürburgring zu rasen. Denn übertreiben mag es der Vater von zwei Kindern auf den bayerischen Voralpensträßchen dann doch nicht: Mehr als gelegentlich 120 auf der Landstraße sind nicht drin. Gut so, denn bei höherem Tempo macht das Ganze eh keinen Spaß, findet der frühere Sportchef des Medienmoguls Leo Kirch. Die wenigen Kilometer auf der Autobahn zwischen Rosenheim und der Ausfahrt zur Winklmoosalm am Chiemsee sind die langweiligsten des ganzen Tages.

Auch wenn der promovierte Volkswirt das Auto am Ende lieb gewonnen hat: So ganz kann sich der langjährige Präsident des Eishockey-Vereins EHC Klostersee Grafing auch nach mehreren Stunden nicht mit der Sitzposition anfreunden. Autofahren pur, wie es der Speedster bietet, ist für Mercedes- Fahrer Ziffzer eindeutig gewöhnungsbedürftig. Von einem angestaubten Image, das Opel oft nachgesagt wird, will er dennoch nichts wissen. Im Gegenteil: Der Speedster sei einsame Spitze, „ein schönes Spielzeug für Erwachsene“.

Nur eins hat Ziffzer an dem Opel unterschätzt: Die Sonne hinterlässt bei der Fahrt ohne Verdeck ihre Spuren auf der Haut. Die Arme sind nach einigen Stunden in der Hitze mehr rot als braun. Kein Wunder: Der Fahrer hat keine Chance, die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Der Speedster kennt keine Servolenkung, und so wird das Steuern wieder zu dem, was es einmal war: echte Handarbeit.

Trotz körperlicher Qualen: Ein Auto wie den Speedster fährt man nicht alle Tage. Daheim in Baldham vor den Toren Münchens muss die Tochter ein Erinnerungsfoto mit Papa in der Plastikkiste machen. Ziffzer gibt ehrlich zu: „Es ist das erste Mal, dass ich Cabrio fahre.“

Und staunt deshalb bei einem letzten Blick auf den Speedster nicht schlecht, dass von einem Kofferraum nicht die Rede sein kann. Mehr als ein feuchtes Handtuch, um die Fliegen aus dem Gesicht zu wischen, passt kaum in die kleine Ablage – schlecht für den Chef eines eishockeybegeisterten Sohns, dessen Ausrüstung den Stauraum eines Kombis ausfüllt. Doch so sind Erwachsenenspielzeuge eben: nicht praktisch, aber fast quadratisch – und im Falle des Speedsters ziemlich gut.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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