Schweinegrippe
Desinfektionsspray statt Kaffee

Das Metropark Hotel in Hongkong gleicht einem Gefängnis: Seit bei einem mexikanischen Hotelgast das Schweinegrippe-Virus diagnostiziert wurde, hat die Polizei das ganze Hotel unter Quarantäne gestellt. Nun wird der Eingangsbereich rund um die Uhr bewacht – keiner darf rein, keiner darf raus. Für viele Hongkonger kommt mit dem ersten Fall von Schweinegrippe nicht nur eine neue gesundheitliche Angst in die Stadt.

HONGKONG. Am Eingang des Metropark Hotels, wo sonst ein lächelnder Portier mit flotter Uniform die Türe aufhält, wacht ein Polizist in weißem Bakterien-Schutzanzug. „Hier darf keiner rein“, lautet die Auskunft hinter dem grünen Mundschutz – und vor allem keiner mehr heraus.

Nachdem am Donnerstag ein mit dem Flugzeug eingereister Mexikaner das Schweinegrippe-Virus nach Hongkong gebracht hat, haben die Behörden der Hafenstadt mit einer bislang ungewöhnlichen Maßnahme reagiert: Das komplette Hotel, in dem der Mann abstieg, wurde für mindestens eine Woche unter Quarantäne gestellt.

Und so zischt in der Kaffeebar der Lobby kein Milchschäumer mehr. Statt Sahnehäubchen gibt es nun Desinfektionsspray für die in dem abgeriegelten Hotel gefangenen Gäste. Mehr als 200 Reisende müssen in ihren Zimmern ausharren. „Ich war erst ein paar Minuten an der Rezeption“, regt sich ein französischer Tourist durch die Tür vor den draußen lauernden Reportern auf. „Ich hatte nicht mal eingecheckt, jetzt muss ich eine Woche bleiben.“

In dem Hotel sei die Stimmung angespannt, wird berichtet. Draußen warteten Dutzende Kamerateams, die ihre Handy-Nummern auf Zettel geschrieben und an die großen Fenster der Hotel-Lobby geklebt hatten, um so in Kontakt mit den Gästen zu kommen – zumindest bis Samstag. Dann klebte die Polizei von innen alles mit weißem Papier ab. Jetzt liegen die Fotografen auf dem Bürgersteig und suchen einen Schlitz zwischen dem Papier für ein neues Foto aus dem „Seuchen-Hotel“.

Hongkongs Behörden wollen Panik verhindern. Mannschaftsbusse mit Polizei und medizinischem Personal rückten sofort an, als der erste Grippeverdacht aufkam. Nicht nur das Hotel, sondern auch eine Nebenstraße wurde abgesperrt. Dort steht jetzt ein weißer Lastwagen mit der Aufschrift „Polizei-Einsatzkommando“.

Stadtchef Donald Tsang erklärte bereits am ersten Tag, er werde weiter zu rigorosen Aktionen greifen, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern. Denn für viele Hongkonger kommt mit dem ersten Fall von Schweinegrippe nicht nur eine neue gesundheitliche Angst in die Stadt. Die meisten verbinden damit die Erinnerung an den SARS-Ausbruch vor rund sechs Jahren. An der Lungenkrankheit starben damals in Hongkong so viele Menschen wie sonst in keiner anderen Metropole – und das tödliche Virus verbreitete sich damals ausgerechnet von einem Hongkonger Hotel aus in alle Welt.

Doch diesmal seien die Behörden sehr viel besser vorbereitet, heißt es. Das habe das entschlossene Handeln der Hongkonger Polizei bewiesen. Dort harrten die Gäste im Metropark Hotel gestern Abend weiter aus. Ein paar schauten genervt nach draußen. Dort wächst die Sorge; gestern war in der Stadt kein Mundschutz mehr zu haben. „Frühestens in einer Woche wieder“, hieß es in einer Drogeriekette.

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