Schwellenländer
Neue Macht des Südens

Sie sind angriffslustig, profitabler als Rivalen aus Europa und sie wachsen schneller: Viele Firmen aus Schwellenländern sind auf dem Sprung zu Weltkonzernen. Dabei schreiben sie die Spielregeln des Wirtschaftslebens um.

DELHI. Herausforderer aus Asien, Osteuropa und Lateinamerika jagen westlichen Konzernen nicht nur Marktanteile auf kritischen Zukunftsmärkten ab. Sie brechen in deren Heimatmärkte ein, machen mit einer Lawine von Übernahmen Schlagzeilen und schlucken alteingesessene, teils viel größere Rivalen in den Industrieländern. Die neuen globalen Champions schreiben die Spielregeln der Weltwirtschaft um.

Wer Angreifer aus Indien, China, Russland oder Brasilien unterschätzt, könnte bald von ihnen verdrängt oder geschluckt werden, wie Arcelor und Corus. Arcelor fiel in die Hände des Inders Lakshmi Mittal, und Ratan Tata kämpft beim Versuch, Corus zu übernehmen, nicht gegen Europäer oder Amerikaner, sondern gegen Brasiliens CSN.

Nicht nur die Konsolidierung der Stahlindustrie wird von Firmen aus Schwellenländern vorangetrieben. Anderen Branchen stehen ähnliche Umwälzungen bevor. Die Boston Consulting Group (BCG) ruft "eine Revolution im globalen Geschäftsleben" aus und warnt, das Überleben der Platzhirsche sei nicht garantiert. "Im Zuge der Internationalisierung von Firmen aus Schwellenländern müssen sich reiche Nationen auf viele Übernahmen einstellen", mahnt Uno-Generalsekretär Kofi Annan im jüngsten "World Investment Report" der Unctad. Deren Forscher untermauern das mit Zahlen: Zwischen 1985 und 2004 schwollen Direktinvestitionen aus Südländern von vier auf 61 Mrd. Dollar an. Schon 17 Prozent aller grenzüberschreitenden Akquisitionen entfallen auf Firmen von dort.

Angeführt werden die Angreifer von erfolgshungrigen Unternehmern. Bewaffnet sind sie mit niedrigen Fertigungs- und Forschungskosten, modernen Fabriken und innovativen Geschäftsideen. Solche Firmen würden "Branchen und Märkte rund um den Globus radikal verändern", prophezeit eine BCG-Studie. Sie identifiziert 100 Firmen mit den besten Chancen, zur Weltspitze aufzuschließen. Diese wachsen im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr, bei Umsatzrenditen von 20 Prozent. Dax-Werte kommen auf die Hälfte.

70 der 100 Angreifer stammen aus Asien, fast alle davon aus China und Indien. Die bevölkerungsreichsten Länder der Welt bieten dank boomender Märkte, guter Universitäten und einer jungen Bevölkerung die fruchtbarsten Brutstätten für neue Weltfirmen. "Deutsche müssen sich auf eine ernsthafte Konfrontation mit Chinesen und Indern auf den Weltmärkten einstellen", warnt Indien-Chef Jürgen Schubert von Siemens. Schon treffen Siemens, ABB und General Electric bei Ausschreibungen in Asien und den Golfstaaten auf harte Konkurrenz von Larsen & Toubro und Crompton Greaves aus Bombay.

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