Schwere Vorwürfe aus Österreich
Slowenien gibt Entwarnung nach verwirrendem Atom-Zwischenfall

Nach dem Zwischenfall im slowenischen Atomkraftwerk Krsko besteht nach Angaben der Regierung Sloweniens keine Gefahr für Menschen und Umwelt in Europa.

rtr LUXEMBURG. "Das war kein Unfall", sagte der slowenische Umweltminister Janez Podobnik bei einem Treffen der EU-Umweltminister am Donnerstag in Luxemburg. Es sei nur wenig Kühlwasser innerhalb des Reaktors ausgetreten. Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung oder die Umwelt seien nicht nötig.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sagte, er vertraue darauf, dass die slowenische Regierung die Lage unter Kontrolle habe. "Das Leck hatte keine Auswirkungen auf die Umgebung und es wird keine radioaktive Strahlung geben", betonte auch der Chef des betroffenen AKW, Stane Rozman, in Ljublijana. Der Reaktor könne am Dienstag oder Mittwoch kommender Woche wieder in Betrieb gehen.

Slowenien hatte nach dem Austritt von Kühlflüssigkeit innerhalb des Kernkraftwerks am Mittwochabend Alarm im EU-Frühwarnsystem für nukleare Zwischenfälle ausgelöst.

Österreich machte Slowenien indes schwere Vorwürfe, weil es seinen Nachbarländern zunächst nur eine Übung gemeldet habe. "Das kann nicht sein", sagte Umweltminister Josef Pröll. "Es muss unverzüglich geklärt werden, wie es zu diesem Wirrwarr an Informationen kam." Podobnik entschuldigte sich dafür, dass die zuständige Behörde zunächst das falsche Formular benutzt habe.

Weder Österreich noch andere Länder kreideten den Slowenen allerdings an, das EU-Warnsystem Ecurie in Gang gesetzt und damit ganz Europa in Aufregung versetzt zu haben. "Mir ist lieber, jemand löst einen Alarm unnötig aus, als dass man einmal zu wenig alarmiert", sagte Gabriel. Ecurie sei damit zum ersten Mal getestet worden und habe gut funktioniert. Das System ist dazu gedacht, bei Atomunfällen mit grenzüberschreitenden Folgen sofort alle EU-Länder zu informieren. Diese müssen dann Schutzmaßnahmen ergreifen. Die Bundesregierung informierte den Wetterdienst und fuhr das Sicherheitslagezentrum hoch. Österreich veranlasste Strahlenmessungen, doch die Geigerzähler schlugen nicht an.

Die Umweltorganisation Greenpeace warf Gabriel vor, den Zwischenfall in ersten Stellungnahmen heruntergespielt zu haben. In einem Interview der Deutschen Welle sagte Thomas Breuer, Atom-Experte von Greenpeace: "Der Zwischenfall ist überhaupt nicht harmlos. Wenn es zu einem Kühlmittelverlust in einem Reaktor kommt, ist das einer der schlimmsten Unfälle, die in einem Atomkraftwerk passieren können", sagte er. Ein Reaktor müsse sowohl im laufenden Betrieb als auch im abgeschalteten Zustand gekühlt werden. "Wenn das nicht erfolgt, wird es unweigerlich zu einer Kernschmelze kommen." Slowenischen Angaben zufolge wurde der Wasserstand im Kühlkreislauf konstant gehalten.

Auch die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) bezeichneten den Vorfall dagegen als "alles andere als alltäglich". In allen Risikostudien zählten Lecks dieser Art zu den sogenannten "Auslösenden Ereignissen", die zu einer Kernschmelze führen könnten, erklärte Henrik Paulitz.

Der energiepolischer Sprecher der Grünen im Bundestag, Hans-Josef Fell, sagte, der Zwischenfall zeige auf kritische Weise, wie unkalkulierbar diese Risikotechnologie sei. Der Zwischenfall vom zeige, dass die Europäische Union mit ihrem atomfreundlichen Kurs auf einem höchst gefährlichen Weg sei.

Auch der österreichische Umweltminister warnte vor einer Renaissance der Kernkraft im Zuge der Klimaschutzpolitik. Anders als Kohlekraftwerke geben Atomkraftwerke kein klimaschädliches Treibhausgas CO2 ab. Kernkraft sei weder eine nachhaltige noch eine sichere Energiequelle, sagte Pröll. "Es gibt die absolute Sicherheit nicht, es bleibt ein Restrisiko."

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