Seuchen drohen in Gonaives
Auf Haiti starben wohl mehr als 2000 Menschen

Vermutlich mehr als 2000 Menschen sind bei der Flutkatastrophe in der haitianischen Stadt Gonaïves ums Leben gekommen. Das sagte am Montag Bürgermeister Calixte Valentin haitianischen Radiosendern.

HB PORT-AU-PRINCE. Haitis Zivilschutz nannte am Montag als vorläufige Opferzahl 1650 Tote und 800 Verletzte. Premierminister Gérard Latortue erwog eine Teilevakuierung der drittgrößten Stadt der Karibikrepublik, in der jetzt auch Seuchen drohen.

Gonaïves war am vorletzten Wochenende vom Tropensturm „Jeanne“ heimgesucht worden, der große Teile der rund 170 Kilometer nördlich von Port-au-Prince gelegenen Küstenstadt überschwemmte. Das Ausmaß der Schäden wurde erst allmählich bekannt. „Wir haben zehn Massengräber ausgehoben, um die Körper zu bestatten, die wir im Laufe der Stunden in den Trümmern zerstörter Häuser und unter Schlammhaufen gefunden haben oder die am Meeresufer angeschwemmt wurden“, sagte Bürgermeister Valentin nach Angaben der Nachrichtenagentur Haiti Press Network.

Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) warnte angesichts katastrophaler hygienischer Verhältnisse und des Fehlens von Medikamenten, Impfstoffen und sauberem Trinkwasser vor dem Ausbruch von Krankheiten. Nach den Überschwemmungen gebe es immer noch große stehende Wasserflächen, die den Ausbruch von Malaria begünstigten, sagte die MSF-Vertreterin Olga Ruiz.

Auch die Sicherheitslage im Katastrophengebiet gilt als prekär, nachdem Banden in den vergangenen Tagen immer wieder Hilfstransporte überfallen hatten. Es kam auch zu Prügeleien zwischen den Opfern, wenn Helfer Säcke mit Hilfsgütern von Lastwagen in die Menge warfen. Die Vereinten Nationen, die eine Friedenstruppe in Haiti stationiert haben, schickten zusätzliche Blauhelm-Soldaten nach Gonaïves.

Haitis Premierminister Latortue sagte dem kanadischen Fernsehsender RDI, dass möglicherweise Teile von Gonaïves evakuiert werden müssen. „Wir studieren diese Möglichkeit, um die Stadt zu säubern und die Häuser zu desinfizieren, um die Risiken einer Epidemie zu verringern“, sagte Latortue.

Haiti war erst Ende Mai von einer Flutkatastrophe heimgesucht worden, die im Südosten des Landes mehr als 1600 Menschenleben forderte. Haiti ist das ärmste Land des amerikanischen Kontinents. Wegen der Abholzung der Wälder und der miserablen Wohnverhältnisse haben Überschwemmungen meist katastrophalere Auswirkungen als in den karibischen Nachbarländern.

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