Steuerhinterziehung
Uli Hoeneß muss vor Gericht

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß muss sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Die SPD fordert nun eine Einschränkung der strafbefreienden Selbstanzeige – auch persönliche Konsequenzen sollen folgen.
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München/BerlinDer Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München, Uli Hoeneß, muss vor Gericht. Das hat die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München am Montagmorgen entschieden. „Die Anklageschrift ist ohne Änderung zugelassen worden“, sagte Gerichtssprecher Hans-Kurt Hertel Handelsblatt Online.

Der Prozess wegen Steuerhinterziehung soll laut dem Gericht im März beginnen. Bislang sind vier Verhandlungstage angesetzt. Als erster Tag ist Montag, der 10. März, vorgesehen. Weitere Termine sind der 12. und 13. März. Die Sitzungen beginnen jeweils um 9.30 Uhr. Bislang sei die Vernehmung von vier Zeugen vorgesehen.

Die Anklageerhebung könnte auch politische Folgen haben. So fordert SPD-Fraktionsvize und Finanzexperte Joachim Poß Konsequenzen bei den laufenden Koalitionsverhandlungen. Poß sagte der „Leipziger Volkszeitung“ (Dienstag-Ausgabe): „Die SPD fordert deswegen in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU eine weitgehende Einschränkung der strafbefreienden Selbstanzeige.“ Die Entscheidung des Landgerichts München II zur Prozesseröffnung rufe allen ins Bewusstsein, dass Steuerhinterziehung ein großes Problem sei. Zur Anklageerhebung habe es nur kommen können, da Herr Hoeneß und seine Steuerberater Fehler bei der ansonsten strafbefreienden Selbstanzeige gemacht hätten. „Für die SPD ist klar, dass Steuerhinterziehung auch durch eine weitere Verschärfung des Strafrechts bekämpft werden sollte“, sagte Poß. Denn die bisherige Regelung habe sicherlich dazu beigetragen, Steuerkriminelle zur Steuerhinterziehung zu ermuntern. „Der Fall Hoeneß ist dabei sicherlich nur die prominente Spitze eines riesigen Eisbergs.“ Leider sei es noch immer möglich, dass Steuerkriminelle, die eine Aufdeckung ihrer Straftat durch die Behörden fürchteten, sich durch eine Selbstanzeige der Strafverfolgung entziehen könnten. Dies gelte selbst in Fällen langjähriger und gravierender Steuerhinterziehung. „Gegenüber steuerehrlichen Bürgerinnen und Bürgern ist dies nicht gerecht.“

Am vergangenen Donnerstag habe die zuständige Wirtschaftsstrafkammer per Beschluss die Anklage gegen Hoeneß zur Hauptverhandlung zugelassen. Einzelheiten zum Anklagevorwurf könnten „aufgrund der besonderen Geheimhaltungspflichten in Steuerstrafverfahren“ bis zur Verlesung des Anklagesatzes in öffentlicher Sitzung aber nicht mitgeteilt werden.

Mit der Zulassung der Anklage erreicht die Steueraffäre des früheren Nationalspielers einen neuen Höhepunkt. Im April waren die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung öffentlich bekanntgeworden.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, forderte Hoeneß auf, sein Amt als Aufsichtsratschef „mindestens“ ruhen zu lassen. Hoeneß gehöre nicht auf die Ehrentribüne bei den Bayern, sondern auf die Anklagebank. „Wenn er verurteilt wird, muss er mit einer Gefängnisstrafe rechnen“, sagte Riexinger Handelsblatt Online. „Er kann nicht mehr das Gesicht eines sauberen Fußballs sein. Hoeneß muss sein Amt mindestens ruhen lassen.“

Kommentare zu " Steuerhinterziehung: Uli Hoeneß muss vor Gericht"

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  • "Überrascht!?"
    Ja haben denn die "Brüder" vom Rotary nicht geholfen ?

  • Ideologiefeind , Sie liefer hier den einzigen Sachlichen Kommentar !
    Gleichzeitig hat das Gericht genau aus diesem Grund das Problem , den genauen Wert der Steuerhinterziehung überhaupt zu ermitteln.
    Und wie das Gericht das bei unserer Steuergesetzgebung machen will ? Unmöglich ! Deshalb wird es einen faulen Deal geben ............müssen !

  • Mal ganz abgesehen von Herrn Wowereit:

    Thorsten Schäfer-Gümbel hat seine Bayern-Mitgliedschaft gekündigt, als Uli Hoeness nicht zurücktreten musste. Im Hinblick auf seinen Parteifreund Wowereit: Warum ist er nicht aus der SPD ausgetreten als dieser Mann nicht zurücktrat. Inzwischen ist der beim BER WIEDER Aufsichtsratchef!

    Thema Steuern, hm... Herr Özdemir! War da was?

    Echt Leute: Für diejenigen die Anti-Bayern-Fans sind: Seid ihr geistig überfordert, Fußballvorlieben von einem Prozess zu trennen?

    SPD/Grüne: Ihr habt genügend vor Eurer eigenen Tür zu kehren. Kontrolliert die Regierungen wenn Ihr Opposition seid, verhaltet Euch anständig wenn Ihr regiert, aber spart Euch diese Hexenjagd, wenn ihr glaubt einen Anhänger einer anderen Partei (mehr Verbindung ist es ja nicht) politisch intrumentalisieren zu können.

    Und an alle die, die auf Bayern (den Freistaat) insgesamt gerne einprügeln: endlich habt Ihr Eure Chance bzw. einen Anlass Euren Erfolgsneid an jemanden auszulassen. Pflegt Eure Vorurteile, aber am Ende des Tages seid Ihr mit Eurem Charakter allein und das habt Ihr auch verdient!

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