Streit um Namensrecht beschäftigt Freistaat
Wem gehört die Münchner Weißwurst?

In Bayern geht es um die Wurst: Die "Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst" will die Vermarktung auf die Region um München beschränken und somit einen Wertverlust des Qualitätsbegriffes verhindern. Jetzt hat sich das Patent- und Markenamt München mit der heiklen Frage beschäftigt, wo die Münchner Weißwurst hergestellt werden darf und wo nicht.

HB MÜNCHEN.Die Metzger im Süden des Freistaates streiten seit Monaten um das alleinige Recht an der Münchner Weißwurst. Jetzt sieht es so aus, als ob sich die Münchner durchsetzen werden. Die Münchner Weißwurst darf wahrscheinlich künftig nur noch in der Landeshauptstadt und im Landkreis hergestellt werden. Das scheint zunächst logisch, wird jedoch wiederum dem Begriff „Weißwurstäquator“ keineswegs gerecht. Denn nach dieser in etwa entlang der Donau verlaufenen Grenze hätte die Spezialität einen weit größeren Einzugsbereich.

Die Vertreter dieser Linie haben jetzt eine Niederlage erlitten. Der Fleischerverband Bayern scheiterte vor dem Patent- und Markenamt mit dem Antrag, dass auch Metzger in Altbayern und Schwaben die Wurst unter dem Namen „Münchner Weißwurst“ produzieren dürfen. Die Gegenseite, die „Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst“, werte dies als „positives Zwischenergebnis“, sagt der Geschäftsführer der Münchner Metzgerei Vinzenzmurr, Markus Brandl.

Die Schutzgemeinschaft hat ihrerseits beantragt, dass nur Weißwürste aus dem Stadtgebiet und dem Landkreis München als „Münchner Weißwurst“ vermarktet werden dürfen. Über diesen Antrag auf Eintrag der geographischen Herkunftsangabe bei der EU ist aber noch nicht entschieden. „Jetzt muss geprüft werden muss, ob dieser Raum richtig gewählt ist“, sagt die Sprecherin des Amtes, Diane Nickl. „Was der Fleischerverband beantragt hatte, war einfach zu weit gefasst - da kann man wirklich nicht mehr von Münchner Weißwurst sprechen.“ Bereits seit Jahrzehnten ist die Beschaffenheit der Wurst in München behördlich festgeschrieben. Weil die Weißwurst durch Billig-Importe bedroht war, erließ die Stadt 1972 mit der Weißwurstverordnung quasi ein „Reinheitsgebot“. Danach muss unter anderem das Fleisch zu mindestens 51 Prozent vom Kalb stammen. Ferner gehören Speck, Wasser, Schwarten, Zwiebeln und Petersilie und andere Gewürze in die Wurst. Jedoch kann diese Rezeptur nur über die geographische Herkunftsangabe europaweit geschützt werden.

Hintergrund des Streits ist nicht nur Patriotismus. Es geht um Qualität, aber auch um wirtschaftliche Gründe. Von der Patentamts-Entscheidung betroffen seien vor allem südbayerische Produzenten außerhalb Münchens, die Weißwürste für den Export herstellten, darunter ein Metzger, der sich mit Weißwürsten in Dosen profiliert hat, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des bayerischen Fleischerverbandes, Rolf Anger. Beim Verkauf ins Ausland oder nach Norddeutschland wie auch bei Mitbringseln sei der Begriff „Münchner“ wichtig, betont Anger. „Wenn man zum Beispiel in Hamburg einen bayerischen Abend machen will, dann müssen das Münchner Weißwürste sein.“ Dem Verkauf in den Metzgereien in Bayern selbst werden die Entscheidung hingegen keinen Abbruch tun, ist Landesinnungsmeister Georg Kleeblatt überzeugt: „Kein Mensch kommt in den Laden und verlangt drei paar Münchner Weißwürste - er will einfach Weißwürste.“ Er schlage vor, dass die betroffenen Metzger künftig ihre Weißwürste nach ihrer Metzgerei benennen, etwa „Müllers Weißwurst“, „Kleeblatts Weißwurst“. Anstelle Münchens die jeweilige Stadt in den Namen zu nehmen, rät er dringend ab: „Sonst taucht ständig wieder die Diskussion auf, dass irgendjemand das schützen lassen will.“

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