Südpazifik
Tsunami zerstört Dörfer auf Samoa

Nach einem starken Seebeben im Südpazifik hat ein Tsunami die Küste von Amerikanisch-Samoa getroffen. Einige Dörfer auf besonders niedrig gelegenen Inseln wurden zerstört. Die Tsunami-Warnung galt auch für Tonga, Tuvalu, Kiribati, die Salomonen-Inseln und Neuseeland.

HB WELLINGTON. Ein schweres Erdbeben hat am Dienstag mehrere Inseln in der Südsee erschüttert und einen Tsunami ausgelöst. Die Flutwelle zerstörte nach einem Bericht von Radio-Neuseeland einige Dörfer auf besonders niedrig gelegenen Inseln vor Samoa. Ob es Tote oder Verletzte gegeben hat, war zunächst unklar.

„Messungen des Meeresspiegels deuten darauf hin, dass ein Tsunami ausgelöst worden ist“, teilte das Tsunamiwarnzentrum am Dienstag auf Hawaii mit. „Er könnte entlang den Küsten nahe des Epizentrums viel zerstört haben.“ Das Zentrum warnte auch vor Riesenwellen in Tonga, Tuvalu, Kiribati, auf den Salomonen-Inseln und auf Neuseeland. Die US-Geologiebehörde stufte die Stärke des Bebens auf 8,0 hoch. Das Tsunami-Warnzentrum sprach von 8,3.

Völlig unklar war am Dienstagabend auch, ob der Tsunami das Ausmaß der Naturkatastrophe vom 26. Dezember 2004 erreicht hat. Vor fünf Jahren waren in Südostasien mehr als 230 000 Menschen ums Leben gekommen.

„Hier ist überall Panik entstanden, weil die Kinder auf dem Weg zur Schule und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit waren“, sagte ein Korrespondent aus Apia auf Samoa dem neuseeländischen Rundfunk. Ein Mitarbeiter des Fernsehsenders TVNZ war in Samoa am Strand, als das Erdbeben passierte. Tony Manson sah den Tsunami nach eigenen Angaben, berichtete der Sender auf seiner Website. Das Meer habe sich zuerst zurückgezogen und sei dann innerhalb von wenigen Sekunden mit Macht über die Küste hereingebrochen. Mehrere Dörfer seien überschwemmt worden. Einwohner suchten nach ihren Angehörigen. Manson berichtete, dass er mit anderem zusammen vom Strand weg auf höheres Terrain gerannt war.

Das Beben ereignete sich um 19.48 Uhr MESZ. Das entspricht 06.48 Ortszeit. Ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde auf Samoa berichtete, dass mehrere Häuser beschädigt wurden. Das Beben ereignete sich rund 200 Kilometer südwestlich von Samoa, 2600 Kilometer nordöstlich von Neuseeland.

Beim Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die Botschaften der Bundesrepublik in den möglicherweise betroffenen Gebieten seien informiert worden. Angaben über das Ausmaß der Naturkatastrophe konnte das Außenministerium nicht machen.

Am 26. Dezember 2004 hatte ein gewaltiger Tsunami, ausgelöst durch ein schweres Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra, mit unvorstellbarer Wucht weite Küstenregionen in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand und auf den Malediven zerstört.

Samoa ist ein Inselstaat im südwestlichen Pazifik. Der Westteil der Insel war früher eine deutsche Kolonie. Der Ostteil gehört zu den USA. Auf den Inseln leben insgesamt rund 240 000 Menschen. Der unabhängige Staat Samoa machte zuletzt Anfang September Schlagzeilen, als die Regierung gegen den Protest der Bevölkerung von Rechts- auf Linksverkehr umstellte. Die Inseln liegen auf halbem Wege zwischen Hawaii und Neuseeland. Das Gebiet umfasst rund 3000 Quadratkilometer mit zwei Hauptinseln und acht kleineren Inseln. 99 Prozent der Einwohner leben auf den Hauptinseln Upolu mit der Hauptstadt Apia und Savai'i.

Bei einer Aufteilung der Einflussbereiche in der Südsee bekam Deutschland 1899 den Westteil der Insel zugesprochen. 1914 endete die deutsche Herrschaft mit dem Einmarsch neuseeländischer Truppen.

Tsunamis können entstehen, wenn Erdbeben oder Vulkanausbrüche den Meeresboden erschüttern. Im Gegensatz zu normalen Wellen, bei denen nur das Wasser an der Meeresoberfläche wogt, geraten bei einem Tsunami (japanisch: große Welle im Hafen) auch die tiefen Wasserschichten in Bewegung. Auf hoher See ist diese Welle gewöhnlich nicht höher als zwei oder drei Meter und wird wegen ihrer großen Wellenlänge von Schiffen oft gar nicht bemerkt. In flachen Küstengewässern und engen Buchten läuft sie dann aber zu enormen Höhen von bis zu 40 Metern auf und kann ganze Landstriche verwüsten. Tsunamis breiten sich mit bis zu 900 Kilometern pro Stunde aus und können so binnen kurzer Zeit ganze Ozeane durchqueren.

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