Tote im Mittelmeer
Katastrophenhelfer befürchten Tod von 700 Flüchtlingen

Die Internationale Organisation für Migration befürchtet den Tod von 500 Flüchtlingen durch einen Schiffsuntergang vor Malta. Angeblich hat eine Schlepperbande das Boot absichtlich versenkt. Auch vor Libyen gab es Tote.
  • 1

GenfIm Mittelmeer ist es offenbar zu einer der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen der vergangenen Jahre gekommen. Die internationale Organisation für Migration (IOM) teilte am Montag mit, in der vergangenen Woche hätten Menschenschmuggler mit ihrem Schiff ein Boot mit Migranten vor der Küste Maltas gerammt. Das Flüchtlingsboot sei gesunken, es würden rund 500 Tote befürchtet. Vor der Küste der libyschen Hauptstadt Tripolis kenterte am Montag zudem ein Boot mit mindestens 250 Flüchtlingen. 200 von ihnen seien möglicherweise ertrunken, hieß es.

Sollten sich die Zahlen bestätigen, wären 2014 bisher rund 2900 Migranten auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ums Leben gekommen und damit so viele wie noch nie zuvor in einem Jahr. 2013 starben rund 700 Flüchtlinge. Seit Jahresbeginn wurden nach Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mehr als 100 000 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Allein am vergangenen Wochenende fischten italienische Helfer fast 3000 Schiffbrüchige aus dem Wasser.

IOM-Sprecherin Christiane Berthiaume sagte, Zeugen hätten berichtet, das vor Malta gerammte Boot habe Anfang September die ägyptische Hafenstadt Damiette verlassen. An Bord seien rund 500 Syrer, Palästinenser, Ägypter und Sudanesen gewesen. Am Mittwoch vergangener Woche hätten Menschenhändler in zwei Schiffen das Boot überholt. Diese hätten verlangt, dass die Migranten auf ihre Schiffe umsteigen.

Lediglich neun Menschen überlebten den Angaben zufolge die Auseinandersetzung auf hoher See. Zwei palästinensische Überlebende berichteten IOM-Mitarbeitern, es habe einen gewalttätigen Streit zwischen den Migranten und den Menschenhändlern gegeben, anschließend hätten die Schlepper das Flüchtlingsboot gerammt.

Die beiden Palästinenser wurden von einem Frachter unter panamaischer Flagge aus dem Wasser geholt und nach Pozzallo in Italien gebracht. Die übrigen sieben Überlebenden des Vorfalls vor Malta wurden auf anderen Schiffen nach Kreta, Griechenland und Malta befördert.

Ebenfalls am Montag sank rund 18 Kilometer vor der libyschen Küste ein Boot mit 250 afrikanischen Flüchtlingen gekentert sei. Ein Sprecher der Küstenwache sagte der Nachrichtenagentur AP, Dutzende Leichen seien aus dem Wasser geborgen worden. 36 Afrikaner konnten die Helfer den Angaben zufolge retten, darunter eine Schwangere und zwei weitere Frauen.

Libyen gilt seit 2011 als politisch instabil und entwickelt sich immer mehr zur Durchgangsstation für Flüchtlinge aus den afrikanischen Staaten südlich der Sahara, die nach Europa gelangen wollen.

Am Sonntag traf US-Filmstar Angelina Jolie auf Malta mit überlebenden Flüchtlingen zusammen. Die Schauspielerin, die Sonderbotschafterin für UNHCR ist, rief die Welt auf, „aufzuwachen“ und das Drama um die Migranten im Mittelmeer zu sehen.

Im Oktober vergangenen Jahres waren mehr als 360 Flüchtlinge vor der italienischen Insel Lampedusa ertrunken. In Italien sind allein in diesem Jahr bis Ende August etwa 100 000 Flüchtlinge angekommen. 2013 waren es 42 000.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Tote im Mittelmeer: Katastrophenhelfer befürchten Tod von 700 Flüchtlingen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schlepperbande versenkt Schiff
    ------------
    Die Internationale Organisation für Migration befürchtet den Tod von 500 Flüchtlingen durch einen Schiffsuntergang vor Malta. Angeblich hat eine Schlepperbande das Boot absichtlich versenkt.

    Wer sich wissentlich und willentlich auf so einen Seelenverkäufer begibt und dafür auch noch tausende von Dollar zahlt, ist selbst Schuld.
    Aber das ist das Geschäftsmodell dieser Schlepperbanden.
    Sie hoffen dann auf Rettung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%