Tower warten Kapitän nicht
US-Unglücksmaschine nahm zu kurze Startbahn

Nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs im US-Staat Kentucky mit 49 Menschen Toten und einem schwer verletzten Überlebenden werden die Behörden bei ihren Ermittlungen in den folgenden Tagen eine Reihe offener Fragen klären müssen.

HB LEXINGTON. Im Vordergrund steht zunächst die Frage, warum der Pilot die falsche und für seine Maschine zu kurze Startbahn gewählt hatte und warum er nicht von den Fluglotsen im Tower gewarnt wurde. Zum anderen werden die Ermittler zu klären versuchen, ob es möglich gewesen wäre, die Insassen zu evakuieren, bevor das Flugzeug in Flammen aufging.

Dabei werden sie untersuchen, ob die Insassen an der Folge des Aufpralls der Maschine auf dem Boden starben, am Rauch erstickten oder verbrannten, wie der Flugsicherheitsexperte Peter Goelz, ein früherer Leiter der Flugsicherheitsbehörde NTSB, erläuterte. Die Lage der Leichen im Flugzeug werde Hinweise geben, ob eine Evakuierung versucht wurde.

Die Ermittler werden außerdem versuchen herauszufinden, warum der Pilot die kürzere, alte Landebahn wählte statt der neuen, längeren Piste. Die Markierungslichter waren nach ersten Ermittlungen intakt. Möglicherweise haben aber Baulichter den Piloten irritiert, eventuell war auch die alte Landebahn beleuchtet. Die Hauptlandebahn hatte vor einer Woche einen neuen Belag erhalten.

Fraglich ist auch, warum die Maschine Starterlaubnis erhielt, ohne dass im Tower jemand bemerkte, dass das Flugzeug auf der falschen Landebahn unterwegs war. Geklärt wird in diesem Zusammenhang auch, wie gut der Pilot ausgebildet war, ob er übermüdet war und wie gut er den Flughafen kannte.

Die zweimotorige Maschine der Gesellschaft Comair war am Sonntag um 06.07 Uhr Ortszeit (12.07 MESZ) kurz nach dem Start vom Blue-Grass-Flughafen in Lexington abgestürzt und rund 1,5 Kilometer entfernt auf einem Feld aufgeprallt. An Bord des Regionaljets vom Typ CRJ-200 befanden sich 50 Menschen: 47 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder.

Eine CRJ-200 benötigt nach Auskunft des Luftfahrtexperten Paul Czysz fürs erfolgreiche Abheben eine Startbahnlänge zwischen 1 350 und 1 500 Meter, um auf die nötige Geschwindigkeit zu kommen. Die kürzere Landebahn auf dem Flughafen in Lexington hat aber nur eine Länge von 1 050 Metern, während die längere 2 100 Meter aufweist.

Die US-Gesellschaft Comair ist eine Tochter der Airline Delta. Es war das schlimmste Flugzeugunglück in den USA seit November 2001. Damals kamen beim Absturz einer Maschine der American Airlines in New York 265 Menschen ums Leben.

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