Tradition geht über Arbeit
Spanische Dorfbewohner wollen Stierhatz statt Stellen

Die Bewohner eines Dorfes im Südwesten des Landes hatten die Wahl: entweder Stiertreiben oder neue Jobs. Das Ergebnis würde Tierschützern nicht gefallen – und das, obwohl die Arbeitslosigkeit dort besonders hoch ist.
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MadridDie Bewohner eines Dorfes in Spanien wollen lieber ihr traditionelles Stiertreiben behalten als das eingesparte Geld in den Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu stecken. Wie spanische Medien am Montag berichteten, stimmten die Bewohner des Dorfes Guijo de Galisteo und seiner beiden Nachbargemeinden in der Extremadura im Südwesten des Landes am Sonntag darüber ab, ob das Spektakel dieses Jahr ausfällt und die dafür vorgesehenen 15.000 Euro stattdessen in öffentlich geförderte Arbeitsplätze gesteckt werden. 242 Dorfbewohner votierten für die Stierhatz und 181 für neue Arbeitsplätze.

Allerdings fiel das Abstimmungsergebnis in den drei Gemeinden höchst unterschiedlich aus: Während die Bewohner von Guijo für neue Jobs stimmten, wollen die Dörfchen Valrío und El Batán nicht auf das Stiertreiben verzichten. Nach Angaben von Bürgermeister Javier Antón sollen nun alle ihren Willen bekommen: Guijo darf 5000 Euro in neue Jobs stecken, während die beiden Nachbargemeinden denselben Betrag für ihr Stiertreiben ausgeben dürfen. In der Region liegt die Arbeitslosigkeit bei über 30 Prozent.

Indes kämpft Spaniens Regierung verzweifelt gegen die Krise und für mehr Arbeit. Dennoch ist die Lage hier gerade sehr düster. Die Arbeitslosenquote schnellte auf 24,3 Prozent. Selbst Griechenland kann mit 22 Prozent nicht mithalten. Das Land steckt mitten in der Rezession und versucht, den Schuldenberg abzubauen. Die öffentlichen Kassen sind leer, die Konjunktur lahmt, und letztlich könnte dem Land nichts anderes übrig bleiben, als Zuflucht unter dem Euro-Rettungsschirm zu suchen.

Das Stiertreiben wiederum wird zwar von Tierschützern immer wieder massiv kritisiert, ist aber gerade in den Dörfern Spaniens eine tief verankerte und beliebte Tradition. Besonders im nordspanischen Pamplona setzen immer wieder Einheimische und Touristen ihr Leben aufs Spiel. Hier ist das Spektakel der Höhepunkt des Volksfestes zu Ehren von Pamplonas Schutzpatron San Fermín.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Die Freude an der Quälerei von Stieren ist durchaus typisch für ganz Spanien und ein nach wie vor höchst lebendiges Relikt einer Kultur, die ihre Blutspur durch die gesamte Geschichte zieht. Also keineswegs böse Diffamierung, sondern abstoßende Realität, die aufzuzeigen durchaus legitim ist, ebenso wie das unerträgliche Elend in den Tierfabriken, durch die die Gesellschaft die traditionelle Tierquälerei hinter schall- und blickdichte Mauern verlagert, damit der ach so sensiblisierte Verbraucher in der Zivilgesellschaft nicht entsetzt schreiend von der Fleischtheke wegrennt.

  • Ja und das dient zur Ablenkung, damit die Menschen nicht die wahren Ursachen der Krise und Profiteure des Systems erkennen! Innerhalb eines Landes wird das gleiche Spiel mit Rechts gegen Links, Herdprämie gegen Kitaplatzausbau, usw. gemacht. Hauptsache die Leute sind immer mit sinnlosen Themen abgelenkt. Auf europäischer Ebene ist das Spiel natürlich noch viel einfachen zu spielen. Die wahren Ursachen sitzen viel tiefer und werden in der Öffentlichkeit kaum genannt.
    Und das jetzt auch noch so was beim Handelsblatt zu lesen ist, ist natürlich die Krönung…

  • Bravo, das sind Profi - Berichte, das hört sich an wie die Werbung von Fairy Villariba Villabajo. Das ist unteres Bildzeitung Niveau! Mensch ihr seit Handelsblatt und bringt so einen M..t! Wir sind jetzt alle dem Untergang ein Stück näher!

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