Trauerzeremonie und Beisetzung
"Johannes Paul II. nun im Haus des Vaters"

Der verstorbene Papst ist am Freitag im Vatikan beigesetzt worden. Zuvor hatten Millionen von Menschen in Rom gebannt die Trauerfeier für den verstorbenen Johannes Paul II. verfolgt. Auf den Petersplatz selbst wurden lediglich 300 000 Pilger vorgelassen. Anwesend waren auch etwa 200 Staatsgäste aus aller Welt.

HB VATIKAN-STADT. Das feierliche Pontifikalamt wurde vom deutschen Kardinal Joseph Ratzinger zelebriert. Er bezeichnete den Verstorbenen in seiner Predigt als unvergesslich für alle gläubigen Katholiken. Die Menge spendete Ratzinger langen Beifall, als er daran erinnerte, wie der Pontifex bis zuletzt trotz größter Leiden noch vor die Gläubigen trat. "Jetzt steht Johannes Paul am Fenster des Hauses des Vaters und sieht uns und segnet uns", sagte der Kardinal.

Während der Totenmesse wurden Gebete und Fürbitten in sechs Sprachen gesprochen. In der Menge wurde der Papst in Sprechchören immer wieder als "Santo" gefeiert, also als Heiliger. Auch auf Transparenten war die Forderung nach einer Heiligsprechung von Johannes Paul II. zu lesen: "Santo Subito". Nach dem Kirchenrecht setzt eine Heiligsprechung eine Seligsprechung voraus, die frühestens zwei Jahre nach dem Tod eingeleitet werden kann. Allerdings hat Johannes Paul II. im Fall von Mutter Theresa dieses Verfahren selbst vorgezogen.

Über alle nationalen und politischen Grenzen hinweg versammelten sich 200 Staats- und Regierungschefs zu der prunkvollen Zeremonie, darunter US-Präsident George W. Bush, UN-Generalsekretär Kofi Annan, Bundespräsident Horst Köhler und Kanzler Gerhard Schröder. An dem dreistündigen Requiem nahmen auch die Patriarchen der östlichen Kirchen sowie Prinz Charles, der britische Premier Tony Blair und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac teil. Auffallend war die Präsenz zahlreicher Staatsoberhäupter aus der islamischen Welt, etwa Mohammed Chatami (Iran), Bashar Assad (Syrien) und König Abdullah II. (Jordanien). Aus Israel waren Außenminister Silvan Schalom und religiöse Würdenträger gekommen. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und die CDU- Vorsitzende Angela Merkel zählten ebenfalls zu den Trauergästen.

Beisetzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Nach Ende der Feier begleiteten einige wenige kirchliche Würdenträger den Sarg des Papstes in einer Prozession zur Beisetzung in die Grotten unter dem Petersdom. Die letzte Ruhestätte Johannes Pauls II. liegt an der Stelle, wo früher Papst Johannes XXIII. lag. Johannes Paul wurde ein Schleier aus weißer Seide über das Gesicht gelegt. In seinem Sarg befinden sich außerdem ein Säckchen mit Bronze- und Silbermünzen aus der Zeit seines Pontifikats und eine Rolle mit seinen Lebensdaten in lateinischer Sprache. Der Pontifex hatte verfügt, er wolle in einem Sarf beerdigt werden und nicht in einem Marmorsarkophag. Über der Grabstätte steht auf einer schlichten weißen Marmorplatte: „Joannes Paulus II 1920 - 2005“.

Für den Schutz der Staatsgäste und der Menschen auf dem Petersplatz hatten die italienischen Behörden massive Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Seit Mitternacht durfte kein Fahrzeug mehr ins Stadtzentrum fahren. Der Luftraum wurde gesperrt, vor der Stadt standen Luftabwehrraketen in Bereitschaft. Schiffe der italienischen Marine patrouillierten an der Mittelmeerküste und auf dem Tiber. Schulen, Ämter und alle Museen bleiben geschlossen. Da höchstens 300 000 Menschen auf den Petersplatz passen, wurde die Zeremonie auf riesige Leinwände in der ganzen Stadt übertragen, etwa am Kolosseum, auf der Piazza Navona und im Olympiastadion. Schätzungsweise vier Millionen Menschen schauten sich die Zeremonie auf den Video-Wänden an.

Am Nachmittag kam es zu einem Zwischenfall im römischen Luftraum: Italienische Kampfjets fingen ein verdächtiges Kleinflugzeug ab und eskortierten es zu einem Flughafen. Später stellte sich heraus, dass es sich um einen Jet der mazedonischen Delegation handelte.

Das Grab von Johannes Paul kann erst in einigen Tagen besucht werden: Entgegen einer ersten Vatikan-Ankündigung soll es noch nicht am kommenden Montag zugänglich gemacht werden. Der Zivilschutz intervenierte, weil er einen ähnlich starken Besucheransturm wie zur Aufbahrung befürchtete.

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