Ungewöhnliche Fossilien
Die Zwerge von Palau

In Mikronesien, einem Inselstaat im Pazifischen Ozean, haben womöglich vor 1 400 bis 3 000 Jahren Zwerge gelebt. Zumindest glauben das Wissenschaftler, die auf der Inselgruppe Palau menschliche Fossilien entdeckt haben. Ihr Fund könnte einen neuen Forschungsstreit auslösen.

DÜSSELDORF. Lee Berger und seine Kollegen von der südafrikanischen Universität von Witwatersrand hatten in zwei Höhlen auf der Inselgruppe Palau 26 kleinwüchsige Individuen gefunden. Der Fund erinnert an den des „Hobbits“ im Jahr 2003: Damals fanden Forscher auf der indonesischen Insel Flores die Überreste eines zweibeinigen Winzlings, der dort vor 12 000 bis 100 000 Jahren gelebt haben soll.

Bergers Fossilien stammen aus alten Grabstätten und teilen einige Merkmale mit dem „Hobbit“ von Flores: Abgesehen von ihrer Körpergröße – kaum mehr als ein Meter –, hätten sie auch ein entsprechend kleines Gesicht, relativ große Zähne und ein fliehendes Kinn, berichten die Forscher. Andere Merkmale dagegen unterscheiden die Fossilien von denen des Homo floresiensis. Ihr Gehirn war zwar vermutlich kleiner als das des modernen Menschen, aber nicht ganz so klein wie das Gehirn des Flores-Menschen.

Für eine neue Art halten die Forscher ihren Fund deshalb nicht. Es handele sich eher um einen modernen Menschen, der sich auf einer Insel mit begrenztem Nahrungsangebot hin zur Kleinwüchsigkeit entwickelt habe, so Berger. Das Phänomen ist auch von Tierarten, etwa den Borneo-Zwergelefanten, bekannt.

Die Zwerge von Palau scheinen sich jedoch besonders schnell verändert zu haben: „Sie sind so ziemlich die ältesten Fossilien auf Palau“, sagt Berger. Ihre Entwicklung habe sich demnach womöglich innerhalb weniger Generationen vollzogen.

Andere Wissenschaftler bezweifeln, dass das möglich ist. Scott Fitzpatrick von der Universität Raleigh in North Carolina glaubt, dass Berger womöglich einfach die Knochen von Kindern ausgegraben hat. Er vermute, dass es in der Gegend Brauch gewesen sei, Kinder an einer gemeinsamen Stätte zu begraben, sagt er.

Damit bahnt sich womöglich ein ähnlicher Streit wie der um den „Hobbit“ an: Seit dessen Entdeckung diskutieren Wissenschaftler, ob er eine eigenständige Art darstellt oder doch nur einen missgebildeten, kleinwüchsigen modernen Menschen.

Berger tendiert zu letzterer Ansicht: „Ich frage mich, wie wohl ein Palauer Fossil mit einer solchen Missbildung aussehen würde“, sagt er. „Womöglich hätte es große Ähnlichkeit mit dem „Hobbit“ von Flores.“

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