Unternehmer fliegt ehrenamtlich Unfallopfer
Wider den Zeit-Geist

Ehrenamtlich fliegt der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl Unfallopfer und Patienten heim. Sein Gewinn: ein gutes Gefühl, das im Alltag des Firmenchefs nachwirkt.

Über „win-win“ wird heute viel doziert, wenn nicht gefaselt. Einer, der diesen gelegentlich egoistischen Doppelnutzen in seiner Person ganz altruistisch vereinigt (und darüber nicht viele der üblichen Management-Floskeln verliert), ist Hans Rudolf Wöhrl, ehemals Chef der Fluggesellschaft dba und Multiunternehmer. Er tut für sich selbst Wichtiges und Gutes, indem er anderen hilft. Er verschenkt Zeit. Freiwillig, ehrenamtlich, unentgeltlich.

Regelmäßig „opfert“ der Textil-, Immobilien- und Luftfahrt-Unternehmer Wöhrl freie Wochenenden, um sein ledernes Kapitänsjackett überzustreifen und sich ins Cockpit einer zweimotorigen Turboprop zu begeben. Zusammen mit einem Kopiloten, mit einem Arzt und Sanitätern fliegt Wöhrl dann nach einem präzisen Flugplan Ziele in Europa an – holt Kranke oder Unfallopfer aus Urlaubsregionen ab, bringt sie ins heimische Deutschland zurück. „Ein Viertel der Ambulanzpatienten sind extrem komplizierte Fälle. Sie haben starke Schmerzen, müssen auf Vakuum-Matratzen transportiert werden.“

Wöhrl, der sich durchschnittlich alle eineinhalb Monate samstags oder sonntags als Dienstleister für den ADAC bereithält, ist gewiss keiner dieser betroffenheitsgeschüttelten Gutmenschen. Eher einer, den eine gewisse, nicht weiter zu definierende Dankbarkeit umtreibt, von der etwas weiterzugeben ist: „Sei froh, dass es dir selbst gut geht“, denkt er dann schon einmal, wenn er Kranke mit Herzproblemen nach Hause bringt, Unfallopfer mit komplizierten Brüchen oder sogar Querschnittsgelähmte.

Besonders beklemmend sei es, Kinder zu transportieren, sagt Wöhrl, „bei denen, wie die Ärzte sagen, nicht mehr viel zu machen ist“.

Einer der Ambulanz-Patienten, Opfer eines Autounfalls irgendwo an der Mittelmeerküste, habe ihm einmal zugeflüstert: „Was bin ich froh, dass man mich noch aus dem Auto herausgezogen hat.“ Der mitfliegende Ambulanzarzt habe ihm, Wöhrl, später gesagt: „Der wird noch oft den Tag verfluchen, an dem sie ihn herausgezogen haben.“ Solche Augenblicke, sagt der Ambulanzflieger Wöhrl leise, „ziehen mich runter“. Oder damals, als er den 28-jährigen Sportstudenten heimholte, der unter einer unheilbaren Bluterkrankung litt und wusste, dass er nur noch wenige Monate zu leben hatte. „Ich möchte gerne noch mal die Alpen sehen“, habe der Patient gesagt, und Wöhrl flog über die Alpen – für den todgeweihten Studenten, aber auch für sich selbst.

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