Verdacht auf gefährliche Krankheit
Institut sucht Mitreisende von Lassa-Patient

Das Robert Koch-Insitut sucht die Mitreisenden eines am gefährlichen Lassa-Fieber erkrankten Afrikaners. Das Institut appellierte am Freitagabend an die Passagiere, die mit dem 70 Jahre alten Afrikaner am 10. Juli von Freetown in Sierra Leone über Abijan in der Elfenbeinküste nach Brüssel geflogen waren, sich zu melden.

HB MÜNSTER. Die Betroffenen werden gebeten sich unter der Telefonnummer 0172 6955458 zu melden. Es handele sich um die Flüge Brussels Airlines, Flug SN 207 am 10. Juli und dann weiter am 11. Juli von Brüssel nach Frankfurt mit Brussels Airlines, Flug SN 2607.

Bei dem Afrikaner hatten Ärzte in der Universitätsklinik Münster das seltene und gefährliche Lassa-Fieber festgestellt. Der aus Sierra Leone stammende Mann war bis vor kurzem noch als Chirurg in seinem Heimatland tätig. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg habe die Lassa-Infektion bei dem Mann am Freitagnachmittag bestätigt, sagte der behandelnde Arzt Ekkehard Hilker vom Universitätsklinikum in Münster.

Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) betonte in seinem Aufruf, Lassa-Fieber sei eine Virusinfektion, die auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Das Virus werde aber zunächst nur bei direktem Kontakt mit Körpersekreten wie Blut, Urin, Speichel und Rachensekreten übertragen. Eine Übertragung über die Atemwege findet in der Regel erst nach Beginn der Atemwegsbeschwerden statt, die bei dem betroffenen Patienten im Flugzeug nicht vorlagen. Trotzdem sollten alle Kontaktpersonen identifiziert werden.

Das 1969 im nigerianischen Lassa erstmals bei Menschen nachgewiesene Fieber ist in Deutschland sehr selten. Bei dem Afrikaner handelt es sich nach Daten des RKI erst um den fünften Fall in Deutschland seit Entdeckung der Krankheit. Alle zuvor in den Jahren 1974, 1985 und 2000 dokumentierten Fälle waren eingeschleppt worden.

Der 70-jährige Patient sollte noch am Freitag mit einem Isoliertransport in die für solche Fälle spezialisierte Universitätsklinik Frankfurt am Main gebracht werden. Eine Gefährdung der Bevölkerung schlossen die Hygiene-Experten des Klinikums Münster aus. Ärzte und Pfleger, die Kontakt mit dem Mann hatten, würden zum Teil vorsorglich behandelt und überwacht. Die in Westafrika verbreitete Krankheit verläuft bei fünf bis 20 Prozent der ins Krankenhaus eingewiesenen Patienten tödlich. Hauptinfektionsquelle sind nach Angaben des Hamburger Tropeninstituts Nagetiere.

Der mit einer Deutschen verheiratete Schwarzafrikaner zeigte den Angaben seines Arztes zufolge keine typischen Symptome der Erkrankung wie Hautblutungen, Erbrechen oder innere Gewebeschäden. „Es ist nicht das klassische Bild einer Lassa-Infektion, aber es bestand bereits ein hochgradiger Verdacht“, sagte Hilker. Zudem gehörte der 70- Jährige als Unfallchirurg in Westafrika zu einer sehr gefährdeten Berufsgruppe.

Der Mann, der in Deutschland Medizin studiert hatte, war am 11. Juli in die Klinik in Münster gebracht und zunächst wegen neurologischer Probleme überwacht worden. Fünf Tage später kam er auf die Intensivstation. Die aus dem Raum Münster stammende Ehefrau hatte den Flug ihres Mannes nach Deutschland veranlasst, da es ihm seit Monaten zusehends schlechter ging.

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