Viele Herzkreislauf-Kranke
Erster Regen seit Wochen

Die Wetterwende ist geschafft: Von Bayern bis Schleswig-Holstein war es am Donnerstag nach dem Ende der Hitzewelle deutlich kühler. In einigen Regionen fielen die erste Regentropfen seit Wochen vom Himmel, für die Landwirte war das aber bei weitem nicht genug.

HB/dpa HAMBURG. Nach Rekordwerten am Mittwoch von 40,2 Grad in Freiburg und Karlsruhe maßen die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) einen Tag später wieder halbwegs normale Temperaturen. Der Rheinpegel fiel jedoch weiter. Der Bodensee war mit 26 Grad immer noch außergewöhnlich warm.

Die frische Meeresluft aus dem Westen habe bereits fast ganz Deutschland erfasst, berichtete DWD-Meteorologe Michael Bauer. Lediglich südlich der Donau sei es bei heftigen Gewittern heiß geblieben. Der Wetterdienst Meteomedia erwartet für den Freitag an der Küste und im Süden Schauer und Gewitter, in der großen Mitte bleibe es hingegen trocken. Die Temperaturen liegen zwischen 20 Grad im Norden und 28 im Süden. Das Wochenende soll sonnig, aber nicht mehr so extrem heiß werden.

Wo am Donnerstag Regen fiel, freuten sich die Menschen. Erfrischt vom ersehnten Nass zeigten sich die Besucher auf dem Rasen vor dem Neuen Schloss in Stuttgart. Sie ließen sich nicht beim Picknick stören und genossen mitgebrachte Wassermelonen. „Das bisschen Regen taugt nicht mal zum Scheibe waschen“, sagte dagegen ein Taxifahrer vor dem Bahnhof. Die Straßen waren im Nu wieder trocken. In München freuten sich die Touristen über den Wetterwechsel. „Ich fühle mich total erleichtert“, sagte die 28-jährige Fatma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zwei Tage sei sie zuletzt wegen der Hitze im Hotel geblieben. In Hamburg regnete es zum ersten Mal seit Wochen.

Die hitzegeplagten Landwirte, die wegen der Dürre um ihre diesjährige Ernte fürchten müssen, können nach Angaben des Meteorologen aber noch nicht aufatmen. Für sie seien die erwarteten Schauern lediglich „ein Tropfen auf den heißen Stein“. In Bayern sollten bis zum Freitag örtlich etwa 20 Liter Regen pro Quadratmeter niederprasseln. „Das ist zwar sehr verhalten, aber besser als gar nichts“, hieß es beim Deutschen Wetterdienst.

Für die Wälder bedeutet der Wetterumschwung noch keinesfalls Entwarnung. In Thüringen etwa gilt weiterhin die höchste Waldbrandwarnstufe vier. Nach Angaben des Erfurter Umweltministeriums brauchen die Bauern dringend Regen, um die Ernten von Zuckerrüben, Kartoffeln und Silomais zu retten. Auch die Schifffahrt hat weiter Probleme: Der Rhein näherte sich in Düsseldorf einem historischen Tiefstand von 0,75 Metern.

In den Großstädten hofft unter anderem die Polizei auf kühlere Köpfe. Genervt von der Hitze bauten unaufmerksame oder aggressive Autofahrer in der Berliner Innenstadt rund 13 % mehr Unfälle als im Juli 2002, hieß es in einem Bericht der „Berliner Zeitung“ vom Donnerstag.

Von Hitzetoten ist in Deutschland - anders als in Frankreich - kaum die Rede. In den Kliniken gab es aber in den vergangenen Wochen mehr Patienten mit Herzkreislauf-Problemen. Viele Notaufnahmen hatten weit mehr Fälle als gewöhnlich - darunter auch junge Menschen, die ihre Kräfte überschätzten. Nach der Wetterabkühlung sanken die Notfalleinsätze wegen Hitze-Beschwerden schlagartig, wie eine dpa-Umfrage ergab.

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