Waldmensch in Rheinland-Pfalz gefunden
Der Einsiedler von Kobern-Gondorf

Aussteiger, Einsiedler, Öko-Freak oder „Waldmensch“: Am Montag griff die Polizei bei Kobern-Gondorf in Rheinland-Pfalz einen Mann auf, der jahrelang in einem verlassenen Haus im Wald jenseits der Zivilisation gelebt haben soll. Das Klischee des menschenfremden Einsiedlers erfüllt er aber nicht.

HB KOBERN-GONDORF. Es handelt sich um einen 42 Jahre alter US-Bürger, wie die Polizei am Mittwoch bestätigte. Wie er nach Deutschland kam, warum er ausgerechnet in Rheinland-Pfalz landete und ein Leben abseits der Normalität wählte, behielt der Mann bislang für sich. „Es ist noch sehr viel offen, auch für uns“, sagte der Koblenzer Polizeisprecher am Mittwoch. Weil die Polizei 150 Gramm Marihuana in dem Haus fand, das der „Einsiedler“ als Unterkunft genutzt haben soll, sitzt er seit Dienstag in Untersuchungshaft.

Seit langem hielten sich im Ort Gerüchte um einen angeblichen „Waldmenschen“. Einwohner sahen den 42-Jährigen zuweilen im Ort, wo er wohl auch eingekauft habe. „Er war ein Wandler zwischen den Welten“, sagte der Sprecher. So sei der Mann bei seiner Festnahme durchaus über das Weltgeschehen informiert gewesen. Auch das äußere Erscheinungsbild entsprach nach Polizeiangaben nicht dem eines ungepflegten Einsiedlers. Bei seiner Festnahme habe er Sweat-Shirt, Jeans und etwas abgenutzte Wanderstiefel getragen. „Er war rasiert und hatte kurze Haare.“ Offenbar habe der Mann auch regelmäßig seinen Müll entsorgt. „Eigentlich kann man von einem ordentlichen Menschen sprechen“, sagte Heins.

Einwohner hatten vermutet, dass auf das Konto des „Waldmenschen“ diverse Einbrüche und Diebstähle gehen. Die Polizei sei den Hinweisen zwar nachgegangen, habe aber keinen Verdächtigen ausfindig machen können. „Jetzt gilt es zu prüfen, ob er als Täter in Frage kommt“, sagte Heins. Es liege nahe, dass der 42- Jährige seinen Lebensunterhalt mit Diebstählen bestritten habe, meinte der Polizeisprecher. Der Polizei zufolge lebte der Mann in einem einsturzgefährdeten Haus. Sein zwei mal zwei Meter großes Lager habe er versteckt auf dem Dach eingerichtet. Die Unterkunft sei nur über ein unscheinbares Loch in der Decke zu erreichen gewesen.

Der „Einsiedler“ spricht Deutsch mit amerikanischem Akzent. Er trug einen alten US-Bootsführerschein bei sich und behauptete, die darin abgebildete Person zu sein. Den Beamten gelang es zunächst nicht, ihn anhand des alten Fotos zweifelsfrei zu identifizieren. Am Mittwoch bestätigte die Koblenzer Polizei jedoch, dass die Angaben richtig sind. Angeblich soll der 42-Jährige in der Heimat, wo er als vermisst gilt, irgendwann einmal Gartenbau studiert haben.

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