Wildtierverbot
Wenn der Elefant Männchen macht

Zirkusse mit Wildtieren geraten immer wieder ins Visier von Tierschützern. Sie bemängeln Bewegungsarmut und fordern ein Verbot von Wildtieren in der Manege. Derzeit steht der Zirkus Charles Knie am Pranger. Zu Recht?
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Stuttgart/ReutlingenVerspielte Grand Dame - welche 43-Jährige kann sich schon mit einem solchen Attribut schmücken? Baby kann es. Als ausgewachsene Elefantenkuh ist sie definitiv eine „große Dame“. Und dass ihr dennoch der Schalk im Nacken sitzt, beweist ihr flinker Rüssel, mit dem sie nach allem fischt, was nicht niet- und nagelfest ist. Das Dickhäuter-Mädel gehört zu den drei Elefanten, die derzeit mit dem Zirkus Charles Knie durch die Lande ziehen.

Und das macht sie zu einem heiß diskutierten „Objekt“. Denn erneut streiten Tierschützer und Zirkusse darum, ob bestimmte Wildtierarten aus reisenden Unternehmen verbannt werden müssen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert von der sich abzeichnenden Regierungskoalition in Berlin ein Wildtierverbot für Zirkusse. Der Bundesrat hatte 2011 ein Verbot von Großaffen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden in der Manege gefordert, die Bundesregierung ist darauf aber bisher nicht eingegangen. Sie verweist auf die Berufsfreiheit der Dompteure und Eigentumsrechte der Zirkusunternehmen. Dompteure könnten aber auch andere Tiere trainieren, heißt es beim Tierschutzbund.

Erneut losgetreten hat die Diskussion Baden-Württembergs Tierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. Wie zuvor schon ihre hessische Kollegin Madeleine Martin hat Jäger Kommunen rechtliche Tipps an die Hand gegeben, wie sie Zirkussen mit Elefanten oder Giraffen den Zugang zu den Festplätzen verwehren können.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes gibt es bundesweit schon etliche Städte, die Auftritte von Zirkussen mit Wildtieren bei sich einschränken. In München etwa dürften sie nur auf die Theresienwiese, in Stuttgart nur auf den Cannstatter Wasen.

Doch Jägers Tipps an die Kommunen schmeckten dem Zirkus Charles Knie um den in Stuttgart geborenen Direktor Sascha Melnjak gar nicht. Durch die Hintertür versuche Jäger einzuführen, was politisch gescheitert sei, beklagt Pressesprecher Sascha Grodotzki. „Sollte Frau Dr. Jäger mit Ihrer Empfehlung an die Gemeinden Erfolg haben, wird den Zirkusbetreibern das notwendige Fundament genommen, um überhaupt das Tierfutter finanzieren zu können.“ Als Resultat seien Zirkusbetreiber gezwungen, die Tiere abzugeben. Doch in den Zoos würden Zirkustiere leiden, weil Menschennähe und Beschäftigung fehlten. Und in der Wildnis könnten sie nicht überleben. Das Resultat für die Tiere wäre vermutlich ein Einschläfern, so die These.

Das hält Jäger für überzogen. Sie wisse allein von 14 Plätzen, wo Elefanten unterkommen könnten. Rund 50 gebe es in deutschen Zirkussen. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass gleich alle Kommunen auf den Zug aufspringen und Wildtiere bei sich verbieten.

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