Zahl der Drogentoten sinkt weiter
Riskantes Trinkverhalten

Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland trinken zu viel, 1,4 Millionen Deutsche sind von Medikamenten abhängig und zwei Millionen konsumieren regelmäßig Cannabis. Das ist die traurige Bilanz des Suchtberichts der Bundesregierung. Neue Gesetze soll es aber nicht geben, die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) setzt auf Aufklärung.

HB BERLIN. Trotz alarmierender Zahlen zum Alkoholmissbrauch plant die Bundesregierung keine neuen Gesetze - auch nicht gegen das so genannte Komasaufen bei Jugendlichen. Stattdessen setzt die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) auf Aufklärung. Harte Drogen sind nach dem am Donnerstag veröffentlichten Suchtbericht offenbar auf dem Rückmarsch: Die Zahl der Drogentoten lag 2006 mit 1 296 auf dem niedrigsten Stand seit 1989.

Bätzing kritisierte vor allem die Verharmlosung der Alltagsdrogen Alkohol, Tabak und Medikamente. Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland tränken Alkohol in riskanter Weise, also mehr als ein Glas Bier am Tag. 1,7 Millionen tränken so viel, dass ihre Gesundheit leide, weitere 1,6 Millionen seien abhängig. 40 000 Todesfälle im Jahr gingen auf Alkohol zurück. „Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit gegenüber einem problematischen Trinkverhalten und ein von Verantwortung geprägtes Leitbild für den Umgang mit Alkohol“, sagte die SPD-Politikerin.

Von der Heraufsetzung der Altersgrenze für Alkoholverkauf an Jugendliche von 16 auf generell 18 Jahre hält sie allerdings ebenso wenig wie von einem Verbot so genannter Flatrate-Partys. „Ein 17-Jähriger kann durchaus mal ein Glas Bier trinken“, sagte Bätzing. Nötig seien in erster Linie scharfe Kontrollen in Kneipen, dass Jugendliche unter 18 wirklich keinen Schnaps bekommen und an Betrunkene nicht mehr ausgeschenkt wird. Für solche Kontrollen sind die Kommunen zuständig.

Der Nichtraucherschutz sei 2006 vorangekommen, zog Bätzing Bilanz und verwies auf die geplanten Rauchverbote auf Bundes- und Landesebene. Sie forderte noch einmal Verbote ohne Ausnahme auch in der Gastronomie. Die Raucherquote unter Jugendlichen, die in den vergangenen fünf Jahren bereits von 28 auf 20 Prozent gesunken war, will Bätzing 2008 auf 17 Prozent drücken. Unter den Über-18-Jährigen rauchen derzeit 33 Prozent. 140 000 Todesfälle pro Jahr werden mit Tabak in Verbindung gebracht.

Von Medikamenten abhängig sind Bätzing zufolge rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland, zwei Drittel davon Frauen. Vor allem junge Männer sind jedoch von Medikamentenmissbrauch zu Doping-Zwecken im Freizeitsport betroffen. Ihre Zahl wird auf 200 000 geschätzt. Die Bundesregierung hofft auf abschreckende Wirkung eines geplanten Gesetzes, das den Besitz von Dopingmitteln strafbar macht.

Appell an die Union

Im Kampf gegen illegale Drogen verteidigte Bätzing die Vergabe von künstlichem Heroin (Diamorphin) an Schwerstabhängige. Sie appellierte an die Union, das Betäubungsmittelgesetz zu ändern, um entsprechende kommunale Abgabestellen auf Dauer zu sichern. Denn die verbesserte Substitutionsbehandlung sei auch Hintergrund des positiven Trends bei den Drogentoten. Seit dem Jahr 2000 sinkt die Zahl kontinuierlich: von damals 2 030 über 1 326 im Jahr 2005 auf 1 296 im vergangenen Jahr.

Mehr tun will Bätzing gegen den Missbrauch von Cannabis. Die Quote von Jugendlichen, die die Droge in riskanter Weise regelmäßig konsumieren, soll 2008 von fünf auf drei Prozent gesenkt werden. Ein Viertel der jungen Leute bis 29 hat Cannabis schon probiert, zwei Millionen konsumieren es regelmäßig, 400 000 in riskanter Weise. Die Zahl der Hilfesuchenden in Cannabis-Beratungsstellen stieg von 8 400 im Jahr 2001 auf 18 155 im Jahr 2005.

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