Zahl der Reichen stagniert – Markt der Vermögensverwalter hart umkämpft
Deutschland ist kein gutes Pflaster für Millionäre

Die Reichen und Superreichen in Deutschland werden kaum noch reicher. Entgegen dem weltweiten Trend stagniert die Zahl der Millionäre nach einer Studie von Cap Gemini und Merrill Lynch. Nach den Worten von Achim Küssner, Deutschlandchef von Merrill Lynch Investment Managers, stieg die Anzahl der High Net Worth Individuals (HNWI), die ein Finanzvermögen von mehr als einer Mill. Dollar ohne Berücksichtigung von selbstbewohntem Eigentum besitzen, hier zu Lande nur um 0,6 Prozent auf 760 300 Personen.

rob FRANKFURT/M. Sie besaßen im vergangenen Jahr ein Vermögen von 2 933 Mrd. Dollar, was ebenfalls nur einem leichten Plus von 0,6 Prozent zum Vorjahr entspricht. Weltweit stieg das Vermögen der Gutbetuchten um 8,2 Prozent auf 30,8 Bill. Dollar.

Der Trend zu niedrigeren Wachstumsraten des Vermögens in Europa im Vergleich zu den USA und Asien wird nach Ansicht von Rainer Wilken, Berater bei Cap Gemini Deutschland, in den nächsten Jahren anhalten. Während das Vermögen in Nordamerika und weltweit um 8,4 bzw. 6,5 Prozent pro Jahr bis 2009 steigen soll, veranschlagen die Experten für Europa nur ein Plus von 3,8 Prozent jährlich.

Trotz der erwarteten schwachen Entwicklung bleibt der deutsche Markt für reiche Privatkunden laut Küssner „hart umkämpft“. Angesichts des Wettbewerbs müssten sich die alt eingesessenen Anbieter nach der Beobachtung von Wilken verstärkt um ihre Stammkunden kümmern. Das sei viel günstiger, als Reiche von Konkurrenten abzuwerben, um verloren gegangene Mandate auszugleichen. Im Markt gelte zwar die Daumenregel, dass ein abgeworbener Kundenbetreuer etwa 50 Prozent der von ihm betreuten Vermögen bei einem Wechsel mitbringe. Das entspreche jedoch nicht der Realität. Es seien höchstens fünf bis zehn Prozent, schätzt der Cap-Gemini-Manager.

Der Kauf von Privatbanken durch große Spieler dürfte indes nach Ansicht von Wilken weitergehen. „Lediglich rund die Hälfte der Vermögensverwalter in Deutschland überschreitet die kritische Größe von zehn Mrd. Euro an verwaltetem Vermögen,“ sagt er. Diese sei notwendig, um eine auskömmliche Rendite zu erzielen. Insgesamt gebe es etwa 45 Anbieter in Deutschland.

Nach der Beobachtung von Küssner bestehen zudem gute Chancen, dass es durch Erbfälle zu einem Wechsel in der Vermögensverwaltung reicher Leute kommt. Die junge Erbengeneration wechsele schneller das beratende Institut. Zu den führenden Anbietern in Deutschland zählen die Deutsche Bank, Sal. Oppenheim und die Dresdner Bank. Außerdem spielen die Commerzbank und die UBS in der ersten Liga mit. Die Schweizer UBS hatte in jüngster Zeit durch einige Übernahmen auf sich aufmerksam gemacht und verwaltet in Deutschland inzwischen rund 27 Mrd. Euro. Das Geschäft ist mit dem der Commerzbank vergleichbar.

Nordamerika zieht an Europa vorbei

Nordamerika: Die Zahl der Millionäre in Nordamerika beziffert der World Wealth Report mit 2,7 Millionen – das sind erstmals mehr als in Europa, dort sind es 100 000 weniger. Neben kräftigem Wirtschaftswachstum und der Marktkapitalisierung spielt für diese Entwicklung auch die Anlagepolitik eine Rolle. In Nordamerika setzen Gutbetuchte stärker auf Aktien und Anleihen.

Zuwachsraten: Die Zeiten extrem hoher Wachstumsraten bei den Vermögen weltweit sind vorbei. Capgemini und Merrill Lynch rechnen für Wohlhabende in den nächsten fünf Jahren nur noch mit durchschnittlich 6,5 Prozent jährlich. Bis zum Jahr 2009 würde sich damit das Gesamtvermögen der Reichen und Superreichen weltweit auf 42,2 Billionen Dollar addieren.

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