Zwergenkongress
Initiative kämpft um Anerkennung von Gartenzwergen

Gartenzwerge stehen noch immer in so manchem Vorgarten. Anhänger der Keramik-Geschöpfe sehen sie oft missbraucht: für Werbung, politisch, rassistisch, sexistisch. Das wollen sie ändern.

TrusetalIm Trusetal im Thüringer Wald wollen sich am Samstag (17. September) Anhänger für eine besondere Spezies stark machen: die deutschen Gartenzwerge. „Immer wird auf den Zwergen herumgehackt, die sich nicht wehren können“, sagte der Leiter des dritten Zwergenkongresses, Frank Ullrich, der Deutschen Presse-Agentur. „Warum wird nicht eine andere Figur genommen?“

Die kleinen Männchen mit ihren roten oder blauen Zipfelmützen müssten für alle möglichen Vergleiche und Diffamierungen in Politik und Gesellschaft herhalten. Sie würden für rassistische oder sexistische Zwecke missbraucht oder in der Werbung entwürdigt. So sieht es Ullrich.

Dagegen wolle der Zwergenkongress und die 2006 gegründete Internationale Zwergenpartei mit etwa einhundert Mitgliedern vorgehen. „Geplant ist am Samstag eine Resolution an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.“

Der traditionell aus Ton und Keramik hergestellte deutsche Gartenzwerg gerate außerdem zunehmend zur Minderheit gegenüber neuen PVC-Formen, die zumeist aus dem Ausland kämen.

Nach dem Wunsch der Gartenzwerg-Fans soll der deutsche Gartenzwerg deshalb auf die Unesco-Welterbeliste für immaterielles Kulturerbe der Menschheit gesetzt werden: Darauf stehen unter anderem der argentinische Tango, die Heilig-Blut-Prozession im belgischen Brügge und die Manden Charta in Mali, die als älteste Verfassung der Welt gilt.

Die Zukunft des traditionellen deutschen Gartenzwerges sei ungewiss. Es gebe nur noch einen großen deutschen Hersteller der einst massenhaft produzierten Figuren im thüringischen Gräfenroda. Das Familienunternehmen mit 140-jähriger Geschichte habe bislang keinen Nachfolger für Inhaber Reinhard Griebel, beklagte Ullrich, der im Zwergenpark etwa 2500 historische und moderne Figuren zeigt.

Die Geschichte der beliebten Zipfelmännchen mit aussagestarken Gesichtern und unterschiedlichsten Posen und Arbeitsgeräten begann Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Entstehen der Schrebergärten, wie Ullrich erläuterte. Nach landläufiger Meinung stand die Wiege des Gartenzwerges in Thüringen. Das könne aber nicht belegt werden. Der älteste, derzeit bekannte Nachweis eines Gartenzwerges stamme von 1886 aus einer Manufaktur in Neuwedel im damaligen Preußen, der älteste Nachweis in Thüringen aus dem Jahr 1893.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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