Alte Meister
Im Auge des spanischen Sammlers

Zwei umfangreiche Konvolute aus spanischen Privatsammlungen stehen im Mittelpunkt der Altmeister-Offerte bei Lempertz. Auch für die Liebhaber von Seestücken hält das Kölner Versteigerungshaus ein gut bestücktes Angebot bereit.
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KölnWer den Katalog der anstehenden Lempertz-Auktion für Alte Kunst vom 17. November durchblättert, stößt auf eine erstaunliche Zahl von Einlieferungen aus spanischem Privatbesitz. Viele Gründe dürften dafür verantwortlich sein. Doch an der Akquise der spanischen Sammlung, die nun mit 26 Katalognummern die stärkste Position ausmacht, arbeitet Lempertz bereits seit vielen Jahren. Dabei kommt dem Kölner Versteigerer natürlich das Fehlen einer gut vernetzten spanischen Konkurrenz zu Gute, aber auch komplizierte spanische Export-Vorschriften und die infolge der Wirtschaftskrise schwächelnde Kaufkraft. Möglich, dass auch die erst vor kurzem um 13 Prozentpunkte angehobene Mehrwertsteuer auf kulturelle Güter abschreckende Wirkung hat. Deutlich über die Hälfte der Lose kommt nach Einschätzung von Mariana von Hanstein aus dem Ausland. Dabei spielt neben Holland vor allem das wie Spanien krisengebeutelte Italien eine dominante Rolle.

Früchtekorb aus Amerika

Unter den Top-Losen der großen spanischen Sammlung findet sich auch ein Früchtekorb des spanischen Malers Juan van der Hamen y León (1696-1631). Van der Hamen war Angestellter am Hof des Königs in Madrid und führte 1622 bis 1628 eine große Werkstatt, in der auch Wiederholungen und Varianten seiner Gemälde angefertigt wurden. Er war berühmt für seine Stillleben, insbesondere für seine Darstellungen von Süßigkeiten und Delikatessen. Er malte jedoch auch die einfachen Keramikschalen und Flechtkörbe mit Obst. Der von Lempertz angebotene Früchtekorb, der auf 180.000 bis 200.000 Euro geschätzt ist, ist von schlichter monumentaler Anmutung und dekorativer Wirkung. In New York wurde das Bild im Mai 1993 von Christie’s für geschätzte 250.000 bis 300.000 Dollar eingeliefert und aufgerufen, jedoch zurückgereicht.

Das für besondere Reize empfängliche, aber auch kunsthistorisch geschulte Auge dieses spanischen Sammlers zeigt sich auch in der prachtvollen, um eine Verkündigung an die Hirten gewundene Blumengirlande von Jan van Kessel d. Ä.. Die Botschaft des Bildes erschließt sich aus einer Synthese der Stillleben-Elemente und des religiösen Motivs. Nebenbei konnte die Forschung nicht weniger als 63 Blumensorten und 16 Insektenarten identifizieren. Der Schätzpreis liegt bei 160.000 bis 180.000 Euro. 3.800 Guiness oder umgerechnet knapp 4.000 Pfund erlöste das Bild im Juni 1975 bei Christie’s in London.

Christus als Gärtner

Aus einer weiteren, 18 Positionen umfassenden spanischen Einlieferung stammt Luca Giordanos nahsichtige Komposition „Christus und die Hl. Magdalena“. Dieses Bild, das wie Girolamo da Trevisos Gemälde „Die Hl. Familie mit der Hl. Katharina“ zum Schätzpreis von 70.000 bis 90.000 Euro angeboten wird, frappiert durch seine sehr Welt zugewandte Darstellung Christi als Hacke tragender Gärtner mit nacktem Oberkörper. Aus der derselben Einlieferung stammt das eigenwillige, mit einem Fischstillleben kombinierte Seestück von Abraham Willaerts und dem Stilllebenmaler Willem Ormea. Die kühn komponierte Komposition mit wild bewegter Hafeneinfahrt im Hintergrund entstand 1636 und ist vorsichtig auf 18.000 bis 30.000 Euro geschätzt. Umgerechnet 7.150 Pfund oder 11.744 Dollar brachte es im April 1990 bei Sotheby’s London.

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Landschaften voller Magie

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